Neuausrichtung des Innovationsmanagments
Vom Ende her denken

Lange Zeit waren die Forscher im Design-Center von IBM in Böblingen unter sich, wenn sie an neuer Chiptechnik tüftelten und Softwareprodukte für den IT-Konzern entwarfen. Doch diese Zeit ist vorbei:

DÜSSELDORF. Heute sieht man mehr und mehr Kunden von IBM in den Labors, sie entwickeln gemeinsam mit den Technikern Halbleiter etwa für Telekomanwendungen. Durch den engen Kontakt mit Kunden sollen die Forscher frühzeitig verstehen, wie sie die Chips besser machen können, erläuterte IBM-Manager Herbert Kircher vorige Woche auf der Cebit – und sie sollen erkennen, welche technischen Neuerungen sie besser weglassen.

So wie IBM richten viele Unternehmen ihr Innovationsmanagement neu aus, denn von neuen Produkten und Dienstleistungen versprechen sie sich starkes Wachstum. Die gemeinsame Stoßrichtung dabei lautet kundennahe Entwicklung. Denn die Ressourcen sind knapp, und der Druck ist hoch, aus Erfindungen schnell verkaufsfähige Produkte zu machen. „Wer gewinnen will, muss mit seinen Produkten genau die Marktbedürfnisse treffen“, sagt Utz-Hellmuth Felcht, Chef des Düsseldorfer Chemiekonzerns Degussa.

Das gelingt nicht immer, wie sich in der Vergangenheit etwa an technischen Neuerungen in Autos zeigte. Auf die elektronische Bremse, die Daimler-Chrysler einst in die E-Klasse einbaute, verzichtet der Konzern in der nächsten Modellserie: zu anfällig die Technik, zu gering der Nutzen für den Fahrer.

Dieses so genannte Overengineering ist auch für deutsche Maschinenbauer ein Problem: Technische Neuerungen aus den Labors werden in Maschinen eingebaut, aber von den Kunden etwa in China oder Russland nicht immer gefordert, sagt Heinrich Weiss, Chef des Düsseldorfer SMS-Konzerns. Folge: Die Maschinenbauer liegen oft deutlich über dem Preis der Konkurrenz.

„Unternehmen sind vielfach noch immer zu einseitig technologiegetrieben und entwickeln am Kunden vorbei“, kritisiert Thomas Limberger, Chef des Schweizer High-Tech-Unternehmens Unaxis. Der 38-Jährige hat im vergangenen Jahr den Führungsposten bei dem Spezialisten für Werkzeug- und Chipbeschichtung übernommen und seither das Innovationsmanagement komplett umgebaut. Mit Erfolg: Neue Produkte trugen seinen Angaben zufolge einen großen Teil dazu bei, dass Unaxis aus den Verlusten herauskam und im dritten und vierten Quartal 2005 wieder Gewinne schrieb.

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