Neue Paletten kippen seltener um
Verband zementiert Paletten-Monopol

Ein Kölner Tüftler versucht seit Jahren vergeblich, für seine innovative Transporthilfe die Marktzulassung zu erhalten. Doch die Centrale für Coorganisation blockiert den Marktzugang.

DÜSSELDORF. Seine Verwundung im Zweiten Weltkrieg steckte Kurt Ziegler weg, seine anschließende Kriegsgefangenschaft in Russland ebenso. Ohne große Mühe schaffte der Sohn eines Lebkuchenfabrikanten mit 20 Mark in der Tasche 1954 den Neuanfang als Arbeiter in einer Remscheider Bäckerei. Doch ausgerechnet an seiner genialen Erfindung, für die er schon fast ein Jahrzehnt lang kämpft, droht der inzwischen 81-Jährige zu zerbrechen. Ziegler hat eine Palette aus recyceltem Kunststoff entwickelt, für die ihm die Centrale für Coorganisation (CCG) seit Jahren den Marktzugang blockiert.

Die CCG – sie hat ihren Sitz in Köln und wacht neben dem internationalen Strichcode über die meisten relevanten Normen in der Konsumgüterbranche – will Ziegler nicht in ihren Typenkatalog aufnehmen. Ein Schiedsverfahren, das vergangene Woche vor der Kölner Industrie- und Handelskammer startete, soll nun klären, ob ihm die CCG die ganze Zeit unnötig Steine in den Weg gelegt hat.

Der Inhaber der Firma Indupal in Pulheim bei Köln ist ein Paradebeispiel dafür, wie mühsam es ist, selbst anerkannte Innovationen auf den verkrusteten Märkten Deutschlands durchzusetzen. Dabei erscheint sein Anliegen unkompliziert: Nichts weiter als eine simple Industriepalette will der Tüftler auf den Markt bringen, die umweltfreundlicher ist als die der Konkurrenz. Hinzu kommt: Zieglers Transporthilfe, für die er zwei Patente besitzt, kippen auf dem Hubwagen weitaus seltener um als herkömmliche Miet-Paletten.

Eine Neuerung, die Handel und Industrie eigentlich stürmisch begrüßen müssten. Denn sie arbeiten seit Jahren mit einer ursprünglichen Notlösung. Als 1991 die Verpackungsverordnung fast sämtliche Einwegträger aus dem Verkehr zog, erlebte die so genannte „Düsseldorfer Palette“ überraschend ihren Durchbruch. Schon Ende der siebziger Jahre hatte sie die Tengelmann- Tochter Wissoll als Mehrwegpalette mit einem Standardmaß von 60 mal 80 Zentimetern auf den Konsumgütermarkt gebracht. Der Mangel an Alternativen machte die bis dahin nur mäßig beliebte Palette innerhalb kurzer Zeit zum Renner.

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