Neurologen testen neues Behandlungsverfahren
Zelltransplantation soll Parkinson lindern

Europäische Neurologen wollen der Krankheit Morbus Parkinson, die meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren eintritt, mit einer Zelltransplantation begegnen. Dabei verwenden sie Zellen aus der Netzhaut eines frühgeborenen Kindes, das nach der Geburt starb.

dpa DRESDEN. An der europaweiten Studie sind außer Kliniken in Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Österreich auch Mediziner aus Dresden und Marburg beteiligt. Die Ethik-Kommission der Dresdner Uniklinik habe vor wenigen Wochen grünes Licht gegeben, sagt Heinz Reichmann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Dresdner Universitätsklinikum. Damit wird ein Weg fortgesetzt, der schon vor Jahren unter anderem mit Versuchen in Mexiko, Schweden und den USA begann.

Die transplantierten Zellen stellen den chemischen Botenstoff „Dopamin“ her, der Parkinson-Kranken fehlt. Bei den Kranken sterben diese Nervenzellen ab, die sich in einer speziellen Region im Gehirn befinden. „Wenn die Produktion von Dopamin ausfällt, beginnt die Parkinson-Krankheit“, beschreibt der Mediziner die Krankheitsursache. Die von dem Kind entnommenen Zellen werden auf ein spezielles Gelatine-Kügelchen gebracht, auf dem sie sich vermehren. Bei der Operation werden zwei Löcher in den Schädel des Patienten gebohrt und die Kügelchen mit jeweils rund 300.000 Zellen in die entsprechende Gehirnregion gebracht. Dort sollen sie die Dopamin-Produktion aufnehmen.

Die Mediziner versprechen sich für die Betroffenen eine um 40 bis 50 % verbesserte Beweglichkeit. „Das ist mit der Wirkung der besten Medikamente vergleichbar“, sagt Reichmann. Der erste europäische Patient könnte noch in diesem Jahr operiert werden. Die Wissenschaftler kooperieren bei der Behandlungsmethode mit dem Pharma-Unternehmen Schering (Berlin).

„Gerade schwerstbetroffene Patienten sind oft nur mit hoch dosierten Medikamenten zu behandeln“, sagt der Marburger Neurologe Wolfgang H. Oertel. Das Risiko der Transplantation sei daher gerechtfertigt. „Aber es bleibt ein Experiment. Die Zukunft wird zeigen, ob daraus eine Routinebehandlung wird“, sagt er.

Die Zellen aus der Netzhaut der toten Frühgeburt reichen nach Einschätzung von Schering für etwa 250 Operationen an Parkinson-Patienten. „Es gibt also keine Suche nach einem weiteren toten Kind als Zellspender“, betont Reichmann.

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