Ozeaneum Stralsund
Im Reich der Mondfische

Als das Stralsunder Ozeaneum vor einem Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wurde, herrschte in den meisten Becken noch gähnende Leere. Inzwischen hat sich das ungewöhnliche Meeresmuseum zu einem Erfolgsprojekt entwickelt - das allerdings nicht überall auf Gegenliebe stößt.
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STRALSUND. Unbeeindruckt vom Scheiben putzenden Taucher drehen „Nosy“ und „Buffy“, die beiden Mondfische, ihre Runden im großen Schwarmfischbecken des Ozeaneums. Nach zwei Wochen haben sich die spektakulärsten Neuzugänge in dem mit 2,6 Mio. Liter größten Becken des neuen Ausstellungshauses des Deutschen Meeresmuseums gut eingelebt. „Nosy ist der intelligentere, aktivere“, kommentiert Museumschef Harald Benke das Treiben der Exoten. Die Begeisterung über die beiden Fische, die in der See bis zu drei Meter groß werden können, ist dem Meeresbiologen anzumerken.

Vor einem Jahr, als das Stralsunder Ozeaneum von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet wurde, herrschte in diesem und einigen weiteren der insgesamt 39 Schaubecken noch weitgehende Leere. Nicht alles in dem architektonisch ungewöhnlichen, an vier vom Wasser umspülte Steine erinnernden Bau war bis zum 11. Juli 2008 fertig geworden. Die Baukosten schossen in die Höhe, Land und Bund mussten in kürzester Zeit zehn Mio. Euro nachfinanzieren. Doch der Stress jener Tage scheint vergessen. Rund 915 000 Besucher zählte das Ozeaneum seit der Eröffnung vor einem Jahr. Mit 550 000 Gästen hatte die Einrichtung ursprünglich kalkuliert.

Neben den Großaquarien - inzwischen gefüllt mit dem prallen Meeresleben aus den Kaltmeeren der nördlichen Erdhalbkugel - gehört zweifellos die Ausstellung „1:1 Riesen der Meere“ mit ihren lebensgroßen Walmodellen zu den Publikumsrennern. Die Umweltorganisation Greenpeace, die damit erstmals mit 1,45 Mio. Euro eine so große Ausstellung federführend finanzierte, ist zufrieden. Durch die Faszination für die Riesen der Meere sei bei vielen Menschen die Bereitschaft gewachsen, sich für den Meeresschutz zu engagieren, sagte Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens.

Das Betreiberkonzept für das Ozeaneum ist ungewöhnlich, birgt aber auch gewisse wirtschaftliche Risiken: Der 60 Mio. Euro teure Bau wurde weitgehend (mit 52,4 Mio. Euro) aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Die Ausstellungen, die laufenden Betriebskosten und Zukäufe muss die Betreiber-GmbH allein stemmen. Dahinter steht die Stiftung des Deutschen Meeresmuseums. Einnahmen kommen von den zahlenden Besuchern, vorrangig sind es Urlauber an der Ostseeküste.

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