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Ozonloch über der Antarktis um 20 Prozent geschrumpft

Das Ozonloch über dem Südpolargebiet ist in diesem Jahr um 20 Prozent kleiner als im Vorjahreszeitraum. Untersuchungen an Neuseelands Südpol-Station hätten entsprechende Erkenntnisse der US-Weltraumbehörde Nasa bestätigt.

dpa WELLINGTON/OBERPFAFFENHOFEN. Das Ozonloch über dem Südpolargebiet ist in diesem Jahr um 20 Prozent kleiner als im Vorjahreszeitraum. Untersuchungen an Neuseelands Südpol-Station hätten entsprechende Erkenntnisse der US-Weltraumbehörde Nasa bestätigt.

Das sagte der neuseeländische Atmosphärenforscher Stephen Wood am Freitag. 2003 hatte das Ozonloch über der Antarktis Nasa-Messungen zufolge die bislang zweitgrößte Ausdehnung: 28,2 Mill. Quadratkilometer, das entspricht fast der dreifachen Größe Europas. Rekord-Ausdehnung hatte das Ozonloch im Jahr 2000. Mit 29,8 Mill. Quadratkilometern war es mehr als drei Mal so groß wie die USA.

Hauptursache für den übermäßigen Abbau der vor UV-Licht schützenden Ozonschicht sind Fluorchlorkohlenwasserstoffe (Fckw) und andere Ozonkiller. Durch den Einfluss von Klimabedingungen wird das Ozon von Jahr zu Jahr in unterschiedlichem Maße abgebaut und wieder gebildet.

„Die Änderungen der Ozonlochstärke von Jahr zu Jahr ist relativ groß“, erklärt Frank Baier aus der Arbeitsgruppe Klima und Atmosphärenprodukte vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Ursache seien in diesem Jahr vermutlich vergleichsweise starke Wetterschwankungen in der Antarktis. „Der Polarwirbel, der sonst wie ein chemischer Reaktor über der Antarktis steht, wird dann gestört.“ Dieser Wirbel, in dessen Wolken Ozon chemisch abgebaut werde, sei dann durchlässiger. Damit könne mehr Ozon aus angrenzenden Luftschichten in das Ozonloch eindringen als etwa im Jahr 2003.

Dieses Wetterphänomen spiegele noch nicht den Entwicklungstrend wider. In den vergangenen drei bis vier Jahren scheine sich das Ozonloch zu stabilisieren, sagte Baier. „Jedoch waren sowohl 2000 als auch 2003 Rekordjahre.“

Jedes Jahr zwischen Juli und August beginne der starke Ozonabbau über dem Südpol, erklärte Baier. Im Sonnenlicht findet der chemische Abbau des Ozons in den Luftschichten der Stratosphäre (10 bis 50 Kilometern Höhe) statt. Der Südpolarwirbel bestimmt die Ausbreitung des so entstehenden Ozonloches. Am schwächsten und am weitesten ausgedehnt sei das Ozonloch jedes Jahr zwischen Ende September und Anfang Oktober, sagte Baier. „Danach ändert sich die Dynamik und der Polarwirbel löst sich auf.“ Das Ozonloch schrumpft.

Nach Verabschiedung des Montréal-Protokolls zum Schutz der Ozonschicht im Jahr 1987 hat die weltweite Fckw-Produktion stark abgenommen. Forscher vermuten daher, dass das Ozonloch über dem Südpol in etwa 50 Jahren verschwunden sein könnte.

„In unseren Breiten herrschen im Gegensatz zur Antarktis andere Wetterphänomene vor“, ergänzte Baier. Schwankungen würden hier innerhalb von Tagen auftreten. „Unsere Tiefdruckgebiete wirbeln die Luft ständig durcheinander.“ Das Ozonloch über dem Südpolargebiet beeinflusst die UV-Einstrahlung in Europa nicht.

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