Polarforschung
Friedhof der Eisberge entdeckt

Polarforscher sind auf die letzte Ruhestätte vieler antarktischer Eisberge gestoßen. Die Eiskolosse reisen mit einer Meeresströmung, die einst auch einer der bekanntesten Antarktis-Pioniere für eine gewagte Expedition nutzte.
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HEIDELBERG. Der Schelfbereich um die südatlantische Insel South Georgia fungiert offensichtlich als Endhaltestelle für zahlreiche Eisberge und Bruchstücke von Schelfeis, die in der Antarktis abbrechen. Sie driften dann mit einer Meeresströmung zum Eiland, die einst auch Ernest Shackleton in einem Beiboot an die Küsten von South Georgia brachte: Er suchte in der örtlichen Walfangstation Rettung für seine auf der 1500 Kilometer entfernten Elephant Island gestrandete Schiffsbesatzung.

Mark Brendon von der Open University in Milton Keynes und seine Kollegen haben nun verfolgt, welchen Weg viele der Eisgiganten nehmen, die von der antarktischen Halbinsel stammen. Verschiedene Strömungen, die zusammen die so genannte Weddell-Scotia-Konfluenzzone bilden, tragen sie dann nach South Georgia. Ein etwa 50 Kilometer breiter Kontinentalschelf umgibt die Insel und fängt die Eisberge quasi ein: Sie stranden im flacheren Wasser und tauen dort ab.

Der Friedhof der Eisberge beeinflusst auch die Natur der Region, wie die Wissenschaftler aus ihren Messungen folgern: Als beispielsweise der etwa 300 Gigatonnen schwere Koloss A-38 im Jahr 2004 vor Ort schmolz, verdünnten rund 100 Milliarden Tonnen Süßwasser das Meer. Gleichzeitig trug er im Eis gefangene Staubpartikel und damit Nährstoffe ins Ökosystem ein, die das Algenwachstum an der Basis der Nahrungskette ankurbelten.

Umgekehrt können große Eisberge lokale Strömungen blockieren und ablenken, so dass beispielsweise Krillschwärme nicht in größere Küstennähe gelangen: Die Krustentiere dienen einer Vielzahl von Vögeln und Säugetieren als Hauptnahrung und reisen mit denselben Strömungen wie die Eisberge aus der Antarktis. Fehlen sie, verhungern viele Tiere, wie es 2004 zum Beispiel der Fall war.

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