Prestigeprojekt soll bis zu 140 000 Arbeitsplätze bringen
Das Galileo-Zeitalter hat begonnen

Immer wieder stand die milliardenteure europäische Antwort an die USA auf der Kippe, drohte im Gerangel um Finanzen und Kompetenzen schon vor dem Start abzustürzen. Doch nun hat das Galileo-Zeitalter endgültig begonnen: Der erste von zwei Testsatelliten für das europäische Navigationssystem ist am Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All gestartet. Eine russische Sojus-Trägerrakete hob um 6.19 Uhr MEZ ab, um den Testsatelliten „Giove-A“ auf eine Umlaufbahn in 23 200 Kilometern Höhe zu bringen.

HB MOSKAU. Nach Angaben der russischen Weltraumbehörde Roskosmos trennten sich der Satellit und ein Beschleunigerblock plangemäß von den Raketenstufen. „Giove-A“ solle nach 88 Minuten Flug eine vorläufige Umlaufbahn und nach 14 Stunden seine endgültige Position erreichen.

Monatelang stritt Berlin noch im Herbst um die Beteiligung deutscher Unternehmen an Galileo, dem hochmodernen europäischen Satellitennavigationssystem nach dem Vorbild des amerikanischen GPS. Nach den Verhandlungen ging es jetzt endlich an den Start. Galileo dürfte Europa einen Technologiesprung bescheren und als Konjunkturmotor dienen. EU, ESA und ein privates Betreiberkonsortium investieren in den kommenden Jahren rund 3,5 Mrd. Euro in den Aufbau des zivilen Navigationssystems, das ab 2011 aus 30 Satelliten bestehen soll.

„Das ist ein wichtiger Meilenstein für Galileo“, sagt Dominique Detain von der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Paris. „Wir lassen die Theorie hinter uns und beginnen mit der Praxis, wobei die Erfahrung zeigt, dass dabei doch immer irgendwas passieren kann.“

Der kleine Satellit soll aus einer stabilen Umlaufbahn heraus zwar auch neue Technologien testen, darunter die präziseste jemals ins All geschickte Atomuhr. Vor allem geht es aber darum, Frequenzrechte zu sichern. Und dafür muss bis Juni 2006 ein Satellit in der Umlaufbahn sein. Ein zweiter Testsatellit „Giove-B“ steht auch schon bereit. Bis 2008 folgt dann die erste Mini-Flotte mit vier Galileo-Satelliten.

Galileo ist das erste globale Navigationssystem, das speziell für zivile Bedürfnisse konzipiert wurde. Im Gegensatz zu den bereits bestehenden Systemen GPS (USA) und Glonass (Russland) soll Galileo von der Privatwirtschaft betrieben werden. Damit soll garantiert werden, dass nicht plötzlich aus militärischen oder strategischen Gründen die Verfügbarkeit für zivile Nutzer eingeschränkt werde. Während des Balkan-Krieges standen die GPS-Signale zeitweise nicht zur Verfügung.

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