Quantenkryptografie
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Was der Industriekonzern Siemens in dieser Woche als kurze Pressemeldung verkündete, ist vielleicht eine kleine kommunikationstechnische Revolution: Gemeinsam mit Wiener Forscher integrieren Entwickler einer Konzerntochter die Quantenkryptografie auf einem Chip und machen Kommunikation abhörsicher.

FRANKFURT. Die Verschlüsselungstechnik, die aus der Physik stammt, verspricht eine absolut abhörsichere Kommunikation, weil sie jeden Lauschangriff sicher entdeckt. Das macht sie nicht nur für Militär und Geheimdienste hoch attraktiv, sondern auch für Wirtschaftsunternehmen, die sich vor Spionage schützen wollen.

Quantenkryptografische Kommunikationssysteme sind zwar seit einigen Jahren auf dem Markt. Pionier ist die 2004 in Genf gegründete Firma id Quantique, inzwischen gesellten sich noch MagiQ aus New York und die französisch-amerikanische Neugründung SmartQuantum dazu. Ihre Produkte sind allerdings teure Kleinserien und erinnern noch stark an die Physiklabors, aus denen sie stammen. Sie bestehen aus relativ großen Elektronikkisten an den Enden einer optischen Übertragungsstrecke aus Glasfasern. Vor allem können sie derzeit nur zwei Partner abhörsicher verbinden, was ihren Markt stark einschränkt.

"Wir haben die Elektronik für ein Quantenkryptografie-System erfolgreich auf einem Chip untergebracht", sagt Ilse Wimberger, die das Forschungsprojekt bei Siemens IT Solutions and Services in Wien leitet. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus elf europäischen Ländern arbeitet Siemens nun an einem quantenkryptografischen Netzwerk. In dem zweiten großen Projekt sollen "im Prinzip beliebig viele Teilnehmer", so ihr Kollege Wolfgang Richter, abhörsicher miteinander kommunizieren können.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt soll das Projekt im Oktober auf einer Fachtagung in Österreich haben. Es soll dann fünf Niederlassungen von Siemens in Wien und im knapp 90 Kilometer entfernten Sankt Pölten abhörsicher vernetzen. Mehrere Forschungsgruppen werden darin verschiedene Quantenkryptografie-Systeme testen, sogar Telefongespräche und Videoübertragungen sind geplant.

Erst solche Netze, die viele Teilnehmer verbinden, dürften der Quantenkryptografie zu einem breiteren Markt verhelfen. Derzeit begrenzen zudem die empfindlichen Quantensysteme die Übertragungsstrecken noch auf grob 100 Kilometer. Das reicht jedoch für die meisten firmeninternen Netzwerke vollkommen aus. Wie interessant das Forschungsgebiet ist, zeigt, dass Unternehmen wie Hewlett Packard, IBM oder Toshiba ebenfalls aktiv sind.

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