Quantensprung
Bildung gibt es nicht umsonst

Der Staat darf nicht zu einem Selbstbedienungsladen verkommen. Bildung ist ein Recht, aber auch ein teures Privileg. Das sollten die protestierenden Studenten bedenken.
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Die Kindergärtnerinnen streiken. Sie klagen über Gesundheitsprobleme, weil sie auf kleinen Kinderstühlen sitzen müssen und weil weinende Kinder zu viel Stress verursachten.

Für solche Forderungen fehlt mir das Verständnis. Niemand hat sie gezwungen, diesen schönen und erfüllenden Beruf zu wählen - und viele andere Arbeitsplätze bieten noch weit weniger attraktive Arbeitsbedingungen.

Es steht aber außer Frage, dass Kindergärtnerinnen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ohne sie hätten Eltern weniger Chancen zu arbeiten. Kindergärten haben, zumindest theoretisch, auch den guten Effekt, dass Kinder verschiedener sozialer Schichten zusammenkommen. Denn Deutschland ist im internationalen Vergleich immer noch zu sehr sozial undurchlässig.

In den Schulen haben Arbeiterkinder bei uns immer noch einen Bildungsnachteil, der ihnen zu oft den Weg in die Gymnasien und an die Universitäten verwehrt. So sind Studenten aus solchen Haushalten an Universitäten immer noch unterrepräsentiert, zum Nachteil des Wirtschafts- und Forschungsstandorts Deutschland.

Die Studenten streiken auch. Sie wollen kleinere Vorlesungen, keine Studiengebühren, Einführung der Ganztagsschule für alle, bessere Lehrerausbildung und mehr Mitbestimmung.

Das sind schöne Ziele, aber, liebe Studenten, bleibt realistisch. In den meisten Ländern dieser Welt kostet Bildung richtig viel Geld. In den USA zum Beispiel bis zu 50 000 US-Dollar pro Jahr, und wer zu einer exzellenten Uni zugelassen werden will, ist meist auch schon auf eine teure Privatschule gegangen. So haben die meisten Studenten in den USA, Australien oder Neuseeland sehr hohe Schulden, wenn sie mit dem Studium fertig sind - verdienen dafür aber später auch mehr. Die Bedingungen in Deutschland sind sicher nicht perfekt, aber die internationalen Alternativen sind es schon lange nicht.

Schon Winston Churchill soll gesagt haben: "Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz! Wer mit 30 noch Kommunist ist, hat keinen Verstand!" Aber spätestens, wenn ihr mal Steuern zahlt, liebe Studenten, werdet ihr verstehen, dass gute Bildung teuer ist. Wenn ihr sie nicht selber zahlen wollt, dann muss der Staat diese Kosten wieder durch Steuern einnehmen: die Steuern eurer Eltern oder eure späteren Steuern, aber auch - ungerechterweise - die der Kindergärtnerinnen, deren Kinder immer noch geringere Chancen haben zu studieren.

Der Staat darf nicht zu einem Selbstbedienungsladen verkommen. Bildung ist ein Recht, aber auch ein teures Privileg. In den USA sagt man: "There is no free lunch."

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