Raketenschild Iron Dome
Israels Eisenkuppel hat Risse

Mit seinem Abwehrsystem Iron Dome hat Israel bereits hunderte Raketen aus dem Gazastreifen abgeschossen. Doch trotz aller Erfolgsmeldungen: Hundertprozentigen Schutz kann auch die "Eisenkuppel" nicht bieten.
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BerlinAlarm in Jerusalem. Vorsorglich rufen die Sirenen die Menschen in die Luftschutzbunker. Die Rakete aus dem Gazastreifen nähert sich der Stadt, ein Kondensstreifen beschreibt ihre Flugbahn. Kurze Zeit später zeichnet sich eine kleine Explosionen vor dem blauen Himmel über der israelischen Hauptstadt ab – ein Abwehrgeschoss des Systems Iron Dome (Eisenkuppel) hat das feindliche Geschoss abgefangen.

Mehr als 2000 Raketen wurden in den vergangenen zwei Wochen von militanten Palästinensern auf Israel abgefeuert. Die Reichweite einer solchen Rakete beträgt mehr als hundert Kilometer, rund fünf Millionen Menschen leben in dem bedrohten Gebiet. Doch bislang hält der Schutzschild: Dass Israel noch keine Toten durch den Beschuss zu beklagen hat, verdankt es vor allem dem Abwehrsystem, das bereits hunderte Raketen vom Himmel geholt hat. Der Iron Dome ist für Israel zum entscheidenden Faktor im Konflikt mit der Hamas geworden.

Sieben Iron-Dome-Batterien sind im Land stationiert. Das System berechnet die Flugbahn von nahenden Raketen und erkennt, ob sie auf dicht besiedeltes Gebiet zusteuern. Solche Geschosse werden unschädlich gemacht: Eine Abwehrrakete steigt auf und detoniert in unmittelbarer Nähe des anvisierten Flugkörpers. Dabei werden Metallstifte freigesetzt, die den Sprengkopf der feindlichen Rakete zu Explosion bringen sollen.

Erkennt das Abwehrsystem dagegen, dass eine Rakete unbewohntes Gebiet ansteuert, wird sie nicht attackiert. Das feindliche Geschoss geht dann irgendwo auf freiem Feld nieder und detoniert. Das soll Kosten sparen, denn die umfassende Sicherheit hat ihren Preis: Jede Iron-Dome-Abwehrrakete kostet knapp 15.000 Euro.

Ein Toter auf 10.000 Raketen

Für Israel ist das Abwehrsystem eine Versicherung, die das Selbstvertrauen stärkt und die harte Haltung der Regierung erst ermöglicht: Politik und Armee haben den Rücken frei, um die Hamas unter Druck zu setzen, denn die Heimat ist bestmöglich abgesichert.

Hundertprozentigen Schutz bietet allerdings auch der beste Raketenschild nicht. Man habe das System in den vergangenen zwei Jahren spürbar verbessert, doch sei es längst nicht idiotensicher, zitiert die Nachrichtenagentur AP Levi Itach, den Leiter der Militärabteilung für Frühwarnung. „Wenn wir so weitermachen, können wir die Rate auf einen Toten je 10.000 Raketen senken“, so der Experte.

Zweifel an der Effektivität des Abwehrschildes meldet der Sicherheitsanalyst Richard Lloyd an. In einem Gespräch mit dem Magazin Technology Review (TR) äußerte er die Vermutung, dass etliche Hamas-Raketen abgeschossen worden seien, ohne dass deren Sprengköpfe dabei zerstört wurden.

Um einen solchen Schrapnell-Sprengkopf sicher zu beseitigen, müssten die Abwehrgeschosse nämlich frontal vor ihrem Ziel explodieren. Analysen der vergangenen Tage hätten aber gezeigt, so Lloyd gegenüber TR, dass viele Abschüsse von hinten oder seitlich erfolgt seien. Die intakt gebliebenen Sprengköpfe der Hamas-Raketen könnten daher irgendwo in der Landschaft liegen und weiterhin eine Bedrohung darstellen.

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