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Scheu vor dem Gang zum Arzt schwindet bei Männern

Der Gang zum Arzt fällt nach Expertenmeinung vielen Männern - bislang häufig als „Gesundheitsmuffel“ tituliert - mittlerweile leichter. „Gerade ältere Männer haben ihr Wohlbefinden stärker im Blick.

dpa MÜNSTER. Der Gang zum Arzt fällt nach Expertenmeinung vielen Männern - bislang häufig als „Gesundheitsmuffel“ tituliert - mittlerweile leichter. „Gerade ältere Männer haben ihr Wohlbefinden stärker im Blick.

Noch vor rund fünf Jahren tauchten sie kaum in den Arztpraxen auf“, sagte der Männerheilkundler (Androloge) und Facharzt für Hormonstörungen, Michael Zitzmann, von der Universität Münster in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dieser schleichende „Paradigmenwechsel“ hänge mit größerer Offenheit und weniger Tabus in der Gesellschaft rund um die „Männermedizin“ zusammen.

„Zu 20 % bestimmen mittlerweile ältere Männer unseren Arbeitsalltag.“ Darunter seien aber nicht nur Männer mit Erektionsstörungen, sondern vielfach auch mit allgemeiner Abgespannheit, Arbeitsunlust, Depressionen oder Libidoverlust, sagte der Oberarzt am Institut für Reproduktionsmedizin am Rande des 3. Europäischen Kongresses für Andrologie in Münster. Bei dem Kongress von Samstag bis Dienstag kommen rund 500 internationale Wissenschaftler zusammen.

Bei der Hälfte der Patienten im Alter zwischen 50 und 65 Jahren sind hormonelle Störungen - „speziell Testosteronmangel“ - Ursache für die Symptome. „Es gibt zwar keine "Wechseljahre" wie bei Frauen, aber Hormonveränderungen im Alter gibt es eben auch beim Mann“, sagte Zitzmann. Bei der anderen Hälfte der Männer lassen sich die Probleme auf Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck oder auf Folgen von Übergewicht und Rauchen zurückführen. „Mit hinein spielen häufig auch seelische Probleme in Ehe oder Beziehung sowie im Job.“

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, alte Menschen bräuchten weniger Schlaf, betonte der Mediziner, auch sie sollten dies ausreichend tun. „In dieser Ruhephase werden grundsätzlich wichtige Hormone freigesetzt.“ Ohnehin sei eine gesunde Lebensführung auch im Alter wichtig: „Bei dem Thema Änderung von Gewohnheiten sind Männer allerdings weniger aufgeschlossen als Frauen. Männer fragen dann lieber erstmal nach Pillen.“

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