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Schimpansen liegt der Nachbar nicht am Herzen

Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen, aber eine typisch menschliche Eigenschaft ist ihnen fremd: Sie haben offensichtlich kein Interesse daran, ihren Nachbarn einen Gefallen zu erweisen.

dpa LOS ANGELES/LONDON. Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen, aber eine typisch menschliche Eigenschaft ist ihnen fremd: Sie haben offensichtlich kein Interesse daran, ihren Nachbarn einen Gefallen zu erweisen.

Bei einer US-Verhaltensstudie mit erwachsenen Schimpansen nahmen die Tiere nicht die Möglichkeit wahr, ihre Käfiggenossen mit einer Extraportion Futter zu versorgen, obwohl es sie keinerlei Mühe gekostet hätte. Das berichtet ein Wissenschaftlerteam um Joan B. Silk von der Universität von Kalifornien in Los Angeles im britischen Fachmagazin „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04243) von diesem Donnerstag.

Den Studienergebnissen zufolge maßen die Tieren dem Wohlergehen ihrer Artgenossen keine besondere Bedeutung bei. Dies sei umso überraschender, weil die Versuchstiere seit vielen Jahren in stabilen sozialen Gruppen zusammenlebten. Sie waren allerdings nicht miteinander verwandt. Die Wissenschaftler gaben den Schimpansen in dem Futterversuch zwei Möglichkeiten zur Auswahl: An einem Gerät konnten die Tiere einen Leckerbissen nur für sich selbst besorgen oder durch einen anderen Handgriff zwei Portionen wählen, von denen eine einem Käfignachbarn zu Gute kam. Das Versuchstier kam bei beiden Varianten gleichermaßen auf seine Kosten.

Keiner der 18 Test-Schimpansen ließ sich von der Anwesenheit eines Käfignachbarn erweichen, bewusst die doppelte Futter-Portion zu wählen. Die Futterbeschaffer schienen damit auch die bittenden Gesten einiger Artgenossen zu ignorieren, stellten die Wissenschaftler fest. Im Gegensatz dazu zielen zahlreiche menschliche Gewohnheiten wie etwa Blutspenden und die Ächtung von Missetaten auf die Beachtung der Interessen anderer.

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