Schlappe auf Heimatmarkt soll wettgemacht werden
Kritik am neuen BMW-Design wird langsam leiser

Die Häme über das Design blieb bei den jüngsten Vorstellung der neuen BMW-Baureihen Z4 und 5er aus - anders als noch vor knapp zwei Jahren beim 7er. „Finden Sie dieses Auto hässlich?“, hatte das Fortune-Magazin damals mit Blick auf das neue Flaggschiff der Bayern gefragt und die Antwort gleich mitgeliefert: „Wenn ja, sind sie nicht alleine.“

Reuters MÜNCHEN. Zwar muss der neue 5er, der seit Samstag in Deutschland verkauft wird, erst noch seinen Erfolg beweisen, aber der allmählich nachlassende Gegenwind wird in München bereits als Zeichen für den Siegeszug der neuen Designlinie interpretiert.

„Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir am Ende des Tages erfolgreich sein werden“, prophezeit Design-Chef Chris Bangle. Nicht zuletzt auf Grund von Gewöhnungseffekten bröckelt auch unter den Analysten die Skepsis gegenüber dem Erscheinungsbild der bayerischen Modelloffensive. Doch ob mit der neuen Designstrategie die Rechnung von BMW am Ende auch aufgeht, wird sich Experten zufolge erst in ein paar Jahren zeigen.

„Was wir jetzt erleben ist ein großer Schritt, aber wir haben so etwas schon in der Vergangenheit gemacht“, sagt Bangle. Erstmals jedoch seien alle Modelle in eine Methodik integriert worden, bei denen der 7er und der Z4 Extrem-Pole bildeten: Auf der einen Seite die Luxuslimousine mit langen Linien und ruhigen Flächen, auf der anderen der Roadster mit seiner mehrfach durch konkave und konvexe Linien gebrochen, aggressiv-dynamischen Oberfläche. Alle weiteren Baureihen seien künftig abgestuft dazwischen angesiedelt. Zugleich schaffe es BMW so - anders als bislang - die Gefahr der Verwechslung der Modelle zu verhindern: „Die Baureihen teilen eine Philosophie, aber sie sind keineswegs identisch.“

Wuchtiges Heck als "Entenhintern" verspottet

Zumindest beim 7er schienen viele diese Philosophie aber so recht nicht zu verstehen. Vor allem das wuchtige Heck der Limousine wurde kritisiert und als „Entenhintern“ verspottet. Weltweit konnte BMW zwar den Absatz des Vorgängers toppen, in der Heimat blieb man aber unter den Erwartungen. „Der durchschlagende Erfolg war der 7er in Europa mit Sicherheit nicht“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Mit dem 5er und dem Z4 scheint BMW diese Schlappe nun wieder wettmachen zu können. „Es ist das Ziel, zu polarisieren, aber das kann die Marke aushalten“, sagt WestLB-Analyst Henrik Lier. „Die Diskussion um das BMW-Design scheint nicht abzuebben, aber sie wird leiser“, meint auch Sal Oppenheim Analyst Michael Raab und fügt hinzu: „Es dürfte sich langsam einfach in Deutschland ein gewisser Gewöhnungseffekt einzustellen.“

Unisono loben Experten, dass - anders als beim Rivalen Mercedes, wo sich C-, E- und S-Klasse fast wie Zwillinge ähneln - keine Verwechslungsgefahr zwischen den neuen Baureihen besteht. Doch eine Prognose, ob das Designkonzept mittel- und langfristig aufgehen wird, wagt auch Raab nicht: „Die Tatsache, dass die Modellpalette irgendwann schlüssig ist, heißt nicht, dass sie erfolgreich sein muss.“

Das massige und hervorstechende Erscheinungsbild der neuen Modelle, das dem bisher klassischen, eher dezenten Auftreten der entgegensteht, könnte nach Einschätzung von Design-Professor Paolo Tumminelli Probleme bereiten. „Wenn BMW so weiter macht, besteht die Gefahr, dass sie zu amerikanisch werden“, sagt Tumminelli, der an der Kölner International School of Design lehrt. „Der nationale Charakter der Marke ist im Moment auf alle Fälle verloren“. Mit dem neuen, wuchtigen Auftreten vergrätze BMW Teile der angestammten Klientel: „Ein 60-Jähriger, der eine gewisse Eleganz hat, will das auch im Auto wiederfinden. Erst in Jahren werde sich zeigen, ob die Ausrichtung auf die Kundschaft in Asien und Amerika nicht einen zu hohen Preis in Europa koste. Ein gewisses Risiko sieht schließlich auch Dudenhöffer, schränkt aber ein: „Manchmal ist es besser, ein Risiko einzugehen und sich damit gut aufzustellen, als in ein paar Jahren als konservativ dazustehen.“

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