Schmelzen die Pole?
Cryosat soll Eisschicht nachmessen

Das globale Klima der Erde wird in erheblichem Maß von seinen noch wenig erforschten planetaren Eismassen bestimmt. Wo und wie diese zu- oder abnehmen, soll die ESA-Satellitenmission Cryosat klären.

HB PLESSEZK. Auf dem russischen Raketenstartgelände Plessezk läuft der Countdown für diese wichtige Weltraummission in Sachen Klimaforschung. Am 8. Oktober startet der europäische Satellit Cryosat, der mindestens bis 2008 Veränderungen der Eiskappen an Nord- und Südpol messen soll. Aus 720 Kilometern Höhe kann sein Doppelradar bis auf drei Zentimeter genau die Dicke von Eisschichten bestimmen.

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA eröffnet mit Cryosat eine neue Serie von Satelliten zur Erdbeobachtung. Die leichte russische Trägerrakete Rockot, eine abgerüstete Atomrakete SS-19, soll den künstlichen Himmelskörper ins All tragen.

Die Eismassen an den unwirtlichen Polen spielen eine große Rolle für das Klima weltweit. „Wir wissen noch viel zu wenig darüber, was mit dem Eis passiert“, sagt der britische Geophysiker Duncan Wingham in Plessezk. Er hat die 136 Mill. € teure Cryosat-Mission ersonnen. Die Hinweise mehren sich, dass die globale Erwärmung das Eis an vielen Stellen schmelzen lässt. Erst kürzlich schlugen Forscher des Nationalen Schnee- und Eis-Datenzentrums der USA (NSIDC) Alarm, weil das Eis der Arktis sich noch ihren Daten drastisch vermindert. An anderen Stellen werde die Eisschicht aber aus noch ungeklärten Gründen dicker, sagt Wingham. Den endgültigen Beweis für eine drohende Klimakatastrophe erwartet der Londoner Professor von drei Jahren Arbeitszeit mit Cryosat nicht. Aber er erhofft sich zuverlässige Erkenntnisse, wie Wind, Schnee, Sonnenlicht und Erdwärme auf das Eis einwirken: „Es geht darum, die Physik des Eises verstehen.“

Das Fluggerät zur Umsetzung von Winghams Forschungsidee, gebaut von der Firma EADS Astrium in Friedrichshafen am Bodensee, steht bereits in Plessezk in einer staubfreien klimatisierten Montagehalle. Deutsche und russische Spezialisten haben den 650 Kilogramm schweren, in goldene Schutzfolie gehüllten Satelliten Cryosat auf die dritte Raketenstufe Breeze geschraubt.

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