Schneller schlau
Was machen Bienen im Winter?

Kaum werden die Tage wieder wärmer, stürzen sich hungrige Honigbienen auf alles, was so früh im Jahr schon blüht. Aber was haben die Nektarsammler eigentlich den ganzen Winter über getrieben?

An wärmeren Tagen kann man sie jetzt wieder ausschwärmen sehen: Honigbienen nutzen die milderen Temperaturen des beginnenden Frühlings, um den Nektar frühblühender Pflanzen einzusammeln. Doch was haben die Tiere eigentlich den ganzen Winter über getrieben?

Nun, auch im Winter – der für Bienen üblicherweise im November beginnt – sind die Stachelträger durchaus aktiv. Zwar stellen sie bei Temperaturen unter 12 Grad Celsius alle Aktivitäten außerhalb des Bienenstocks ein, dafür geht es innerhalb des Bienenhauses im Wortsinne heiß her: Um ihre „Betriebstemperatur“ zu halten, schließen sich die Tiere zu einer sogenannten Wintertraube zusammen.

Dabei handelt es sich um ein kugelförmiges Gebilde aus tausenden Bienenleibern, in dessen Zentrum die Königin sitzt. Die hat es dort mit Temperaturen bis zu 30 Grad kuschelig warm – nicht zuletzt, weil die sie umgebenden Bienen durch ständige Muskelbewegungen für die nötige Wärme sorgen.

Weniger angenehm sind die Temperaturen am äußeren Rand der Bienentraube, hier herrschen Bedingungen, die für die Tiere auf Dauer lebensbedrohlich werden können. Daher wandern die Bienen aus diesen kühleren Gebieten immer wieder Richtung Zentrum der Traube, ihr Platz wird von Artgenossen aus den wärmeren Regionen der Bienenkugel übernommen.

Die nötige Energie für dieses permanente Wechselspiel sowie für das wärmende Muskelzittern gewinnen die Tiere aus dem Honig, den sie das Jahr über produzieren. Daher müssen Imker, wenn sie die Früchte der Bienenarbeit ernten wollen, darauf achten, dass sie den Insekten eine ähnlich nahrhafte Ersatzspeise anbieten.

Übrigens: Bienen „fliegen“ nicht nur auf Honig, auch Koffein scheint den Tieren angenehm zu sein – zumindest in überschaubarer Dosierung. Forscher der Universität Newcastle haben herausgefunden, dass sich die Tiere länger an den Duft einer potenziellen Futterpflanze erinnern, wenn darin eine Spur Koffein enthalten ist. Der Wirkstoff verändert die Erregbarkeit bestimmter Nervenzellen im Bienengehirn.

Koffeinhaltige Pflanzen können sich so einen treuen „Kundenstamm“ aufbauen, der das Geschäft der Bestäubung zuverlässig erledigt. Doch auch die Bienen profitieren: Der anregende Wirkstoff steigert ihre Leistung beim Sammeln von Nektar und Pollen merklich.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%