Schneller schlau
Was machen Mücken bei Regen?

Keine Angst vor großen Tropfen – Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.
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Üblicherweise suchen fliegende Insekten bei Regen Schutz im heimischen Nest oder unter Blättern. Denn die Kollision mit einem Regentropfen kann für die Tiere tödlich enden: Für die kleinen Flugkünstler hätte die allzu nahe Begegnung mit einem schweren Tropfen ähnliche Folgen wie für uns der Zusammenstoß mit einem Bus.

Mücken lassen sich von dieser Aussicht allerdings nicht beeindrucken. Müssen sie auch nicht, denn sie überstehen selbst Zusammenstöße mit Tropfen, die 50 Mal mehr Masse haben als sie selbst. Wie sie das machen, haben Wissenschaftler des Georgia Institute of Technology in Atlanta herausgefunden. In einem speziellen Versuchslabor untersuchten sie den Mückenflug bei Regen mit Hilfe spezieller Hochgeschwindigkeitskameras.

Die Auswertung der Bilder ergab, dass die Mücken bei einem durchschnittlichen Regenguss etwa alle 20 Sekunden von einem Tropfen getroffen wurden. Dabei wurden sie zwar um einige Körperlängen nach unten gerissen, kamen dann jedoch wieder frei und konnten ihren Flug fortsetzen. Ihr Geheimnis liegt in der geringen Körpermasse: Trifft ein Tropfen die Mücke, so überträgt er kaum Energie auf das Tier. Sichtbares Zeichen dafür: Der Tropfen verändert bei der Begegnung kaum seine Form und verliert auch nur unwesentlich an Geschwindigkeit.

Braucht die Mücke also Regen kaum zu fürchten, so bereitet ihr starker Nebel erhebliche Probleme. Denn während ihr schwere Regentropfen kaum etwas anhaben können, setzen die winzigen Wassertröpfchen, aus denen Nebel besteht, das Orientierungssystem der Tiere außer Funktion. Die Feuchtigkeit legt sich auf die sogenannten Schwingkölbchen der Mücke – Lagesensoren, die sich aus den umgebildeten Hinterflügeln der Tiere entwickelt haben.

Üblicherweise schwingen diese Sensoren gegenläufig im Takt mit den Vorderflügeln. Aus winzigen Veränderungen dieser Schwingungen können die Mücken ihre Position im Raum bestimmen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Schwingkölbchen nicht ständig mit Nebeltropfen kollidieren. Legen sich Nebelschwaden über die Landschaft, müssen Mücken also zuhause bleiben.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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