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Schröder warnt vor Kommerzialisierung der Organspenden

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat vor einer Kommerzialisierung der Organspenden in Deutschland gewarnt. Er empfinde „Unwillen“ bei dem Gedanken, dass Organe eines Verstorbenen von den Angehörigen verkauft werden könnten.

dpa BERLIN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat vor einer Kommerzialisierung der Organspenden in Deutschland gewarnt. Er empfinde „Unwillen“ bei dem Gedanken, dass Organe eines Verstorbenen von den Angehörigen verkauft werden könnten.

Die Zuteilung eines Organes dürfe niemals „abhängig sein vom Vermögen des Empfängers“, sagte Schröder am Donnerstag bei einem Besuch des Nationalen Ethikrates in Berlin. Nach den Empfehlungen über den Import embryonaler Stammzellen und über das Klonen hat sich der vor drei Jahren vom Kanzler ins Leben gerufene Ethikrat jetzt dem Problem der Organspenden und der Transplantationen zugewandt. Die Beratungen über die Biopatentrichtlinie sollen in Kürze abgeschlossen werden.

Die 1997 mit Verabschiedung des Transplantationsgesetzes verbundene Hoffnung auf eine deutliche Steigerung der Organspenden sei „nicht realisiert worden“, sagte der Vize-Vorsitzende des Ethikrates, der Medizin-Wissenschafthaftler Eckhard Nagel (Bayreuth). Im der ersten Hälfte des Jahres 2004 sei die Zahl der Spenden erneut um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Vor in Kraft treten des Gesetzes hätten fünf Prozent der Erwachsenen einen Spenderausweis gehabt, heute seien es acht Prozent - rund 6,4 Mill. Bürger.

Mehrere Experten des Gremiums kritisierten, dass Krankenhäuser oft wegen Überlastung nicht in der Lage seien, nach dem Hirntod eines Menschen die richtigen Schritte zu einer Organspende in die Wege zu leiten - selbst wenn ein Spenderausweis vorliege. Schröder verwies dabei auf die „vorbildlichen“ Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern mit einer eigens eingerichteten Stiftung zur Förderung von Organspende. Dies habe dazu geführt, dass es in dem Bundesland doppelt so viele Spenden gebe wie im Bundesschnitt.

Der Kanzler hatte zuvor die Arbeit des Nationalen Ethikrates gewürdigt. In seinem dreijährigen Bestehen habe der Rat ein beeindruckendes Arbeitspensum bewältigt, sowie wichtige und hilfreiche Impulse für die gesellschaftliche Debatte gegeben.

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