Spurensuche nach Bombentest
So spürt man Nordkoreas Atombomben nach

Nordkorea hat seinem Ruf als Schurkenstaat Ehre gemacht und erneut eine Nuklearwaffe getestet. Um welchen Bombentyp es sich genau handelte, können Experten mit verschiedenen Verfahren auch aus der Ferne rekonstruieren.

HeidelbergMagnitude 5 ist eigentlich nicht besonders eindrucksvoll für ein Erdbeben, trotzdem hält das Beben in der Nacht zu Mittwoch jetzt die Welt in Atem. Es ist der vierte bekannte Atombombentest der Volksrepublik Nordkorea, und nach Angaben des international isolierten Staates eine bedeutende Neuerung: Angeblich explodierte unter den Bergen im Nordosten des Landes eine Wasserstoffbombe – statt aus Kernspaltung bezieht sie ihre Energie aus der Fusion der Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium. So erreicht sie ein Vielfaches der Sprengkraft einer normalen Atombombe.

Binnen kurzer Zeit bezifferten geowissenschaftliche Institute in den USA und China die Stärke des Bebens auf 5,1 beziehungsweise 4,9 und bestätigten, dass es sich vermutlich um eine unterirdische Explosion handelte. Erdbeben dieser Stärke kommen auf der Welt zu Hunderten vor, doch die Signatur der Erschütterungen unterscheidet sich je nach Ursache.

Auch eine Atombombenexplosion hat ihr charakteristisches Muster: Sie erzeugt wesentlich stärkere sogenannte P-Wellen, während für Erdbeben S-Wellen typischer sind. Zusätzlich stammten die seismischen Wellen aus der Umgebung eines von früheren Versuchen bekannten Atomtestgeländes.

Mit der Explosion hat Nordkorea wieder einmal UN-Resolutionen verletzt und die Nachbarn in Aufruhr versetzt – doch eine zentrale Frage kann man bisher nicht mit letzter Sicherheit beantworten: Ist das Land technisch weiter als bei seinem letzten Atomtest im Jahr 2013? Anders gefragt: Explodierte in Nordkorea tatsächlich eine Fusionsbombe?

Schon kurz nach der Erfolgsmeldung kamen erste Zweifel an den Angaben Nordkoreas auf. Fachleute vermuten, dass die Angaben des Landes schlicht nicht stimmen.

Tatsächlich lieferten die bisher bekannten Daten bereits Indizien, dass die offizielle Erfolgsmeldung nicht die ganze Wahrheit ist: Die aktuelle Explosion setzte wohl nicht wesentlich mehr Energie frei als der letzte nordkoreanische Atomtest im Jahr 2013.

Fachleute sehen dafür mehrere mögliche Erklärungen. Dass Nordkorea tatsächlich – wie theoretisch möglich – eine extrem kleine thermonukleare Waffe mit der Sprengkraft einer normalen Atombombe gebaut hat, schließen Experten fast rundum aus: Eine kleine Waffe zu bauen gilt als wesentlich komplizierter als eine große. Wenn es sich aber tatsächlich um eine vollwertige Wasserstoffbombe handelte, explodierte sie womöglich nicht wie vorgesehen.

Vermutlich aber zündete das Land lediglich eine gewöhnliche Atomwaffe, die unter Umständen mit kleinen Mengen Fusionsbrennstoff angereichert war. Dieser Zusatz erhöht den Anteil des in der Explosion gespaltenen Brennstoffes und damit auch die freigesetzte Energie.

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Verräterische Radionuklide

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