Forschung + Innovation
Studie: Auch Versuchsmäuse dürfen spielen

Auch Versuchsmäuse dürfen spielen. Statt in kahlen Boxen können Labortiere in Käfigen mit Tunnels und Trapezen gehalten werden, ohne dass dies Tierversuchs-Ergebnisse verfälscht. Das berichten Forscher der Universität Gießen in der britischen Fachzeitschrift „Nature“ (Bd. 432, S. 821).

dpa GIEßEN/LONDON. Auch Versuchsmäuse dürfen spielen. Statt in kahlen Boxen können Labortiere in Käfigen mit Tunnels und Trapezen gehalten werden, ohne dass dies Tierversuchs-Ergebnisse verfälscht. Das berichten Forscher der Universität Gießen in der britischen Fachzeitschrift „Nature“ (Bd. 432, S. 821).

In einer Umgebung, in der Mäuse klettern, ein Nest bauen und sich zurückziehen können, leiden sie weniger an Stress und Verhaltensstörungen. Bisher hatten viele Forscher jedoch aus Angst um die Genauigkeit und Wiederholbarkeit von Versuchen auf eine angenehmere Haltung für die Tiere verzichtet.

Der Gießener Tierschutz-Professor Hanno Würbel (41) und seine Kollegen hielten im vergangenen Jahr 432 weibliche Mäuse in drei verschiedenen Labors entweder in kleinen Standardkäfigen oder in großen Käfigen mit Kletter-, Spiel- und Rückzugsecken. Dort mussten sich die Tiere verschiedenen Verhaltenstests unterziehen - etwa zu Ängstlichkeit und Gedächtnis. In einer tiergerechten Umgebung steigt der Studie zufolge das Wohlbefinden der Mäuse, ohne dass die Standardisierung der Tierversuche leidet.

„Es war immer ein Spagat zwischen Tierschutz und wissenschaftlichen Ansprüchen. Wer aber jetzt Tiere in reizarmen Käfigen halten will, kann das nur noch mit ökonomischen Überlegungen begründen“, sagt Würbel. Ob das Ergebnis der Untersuchung auch für männliche Mäuse gilt - sie könnten in einer anregenden Umgebung eher mit Dominanzverhalten und Aggression reagieren -, muss noch erforscht werden.

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