Südkorea
DFG will besseres Gutachtersystem

Die deutsche Biochemikerin Ulrike Beisiegel hat sich mit Blick auf den Betrugsskandal in der koreanischen Stammzell-Forschung für eine Verbesserung des Gutachtersystems ausgesprochen.

dpa KöLN. Die deutsche Biochemikerin Ulrike Beisiegel hat sich mit Blick auf den Betrugsskandal in der koreanischen Stammzell-Forschung für eine Verbesserung des Gutachtersystems ausgesprochen.

Beisiegel, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf arbeitet, ist auch Sprecherin des Ombudsgremiums der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft (DFG) für Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. In den Biowissenschaften seien Experimente nicht so leicht zu wiederholen wie in den Materialwissenschaften, sagte sie am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf die Fälschungen des Stammzellenforschers Hwang Woo-Suk an der Nationaluniversität in Südkoreas Hauptstadt Seoul.

Bisher gebe es für jede Publikation zwei Gutachter, die aber nur das Manuskript sehen. Bei bahnbrechenden oder medizinisch relevanten Experimenten sollten die Experimente wiederholt werden, bevor sie in die Öffentlichkeit gelangen. „Man könnte mit einem Komitee dann auch ein unabhängiges Labor beauftragen, solche Experimente zu wiederholen, gegebenenfalls sogar in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Autor oder der Arbeitsgruppe“, sagte Beisiegel.

Die DFG unterscheide zwischen Fällen von „bewusster Fälschung“, die kriminell sei, und dem Begriff der „Unredlichkeit“. Dabei würden Daten beschönigt oder unpassende Werte weggelassen, aber deshalb das Gesamtergebnis nicht notwendigerweise gefälscht, betonte Beisiegel. „Es ist sicher so, dass die Unredlichkeiten häufiger sind, dass der Eisberg unter den von uns gesehenen Unredlichkeiten größer ist als der unter den gesehenen Fälschungen.“

In allen Ländern sollte es ein vernünftig funktionierendes Ombudssystem geben, forderte Beisiegel. Dieses Ombudssystem ermögliche Wissenschaftlern, die aus ihrer Laborarbeit Kenntnis von falsch präsentierten oder sogar gefälschten Ergebnissen hätten, ihren Verdacht unter Vertraulichkeit zu äußern. So könnten Fälschungen bereits vor einer Publikationen aufgedeckt werden. Hwangs angebliche Erfolge waren in dem renommierten US-Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht worden.

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