Technologie
Transrapid-Teststrecke vor dem Aus

Die Teststrecke für den Transrapid im Emsland steht nach den Worten von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ohne einen baldigen neuen Exportauftrag vor dem Aus. Wulff sprach von einer Entscheidung, die "kurzfristig" fallen könne.

HANNOVER. "Wenn kein Investor gefunden wird, werden Bundesregierung und das Land Niedersachsen den Testbetrieb nicht verlängern. Wenn es kein Interesse gibt, hat die Verlängerung keine Aussicht auf Erfolg." In diesem Falle könne das Ende der Strecke schnell kommen, so Wulff.

Mit seiner Ankündigung erhöht Wulff den Druck auf potentielle Kunden für die Magnetschwebetechnik, ihr Interesse rasch zu bekunden. Die Transrapid-Hersteller ThyssenKrupp und Siemens wollen den Probebetrieb auf der Strecke bis zum 30. Juni 2009 einstellen. Ihrer Ansicht nach ist die Magnetschwebebahn marktreif, weitere Tests seien unnötig. Bis Ende des Monats müssen die Unternehmen sowie der Bund, das Land Niedersachsen und die Politiker vor Ort entscheiden, wie es weitergehen soll.

Zeitungsberichten zufolge gibt es neue Kauf-Interessenten für den Transrapid, von denen zumindest einer auf eine Verlängerung für die Teststrecke drängt. Der Chef der Testanlage im Emsland, Rudolf Schwarz, sagte in einem Interview der "Wirtschaftswoche", potenzielle Käufer aus den USA, Großbritannien, China und dem Nahen Osten prüften den Bau einer Transrapid-Strecke. Seit dem 27. Mai 2009 testeten vier Interessenten die Magnetschwebebahn im Emsland. Zwei der ausländischen Projekte schätze er als "sehr realistisch" ein. Bei einem davon beginne noch in diesem Monat das Ausschreibungsverfahren.

„Es gibt Interesse aus Brasilien und den USA sowie aus dem arabischen Raum an der Magnetschwebe-Technik“, sagte auch Wulff. In den nächsten Wochen fänden mit Delegationen aus diesen Ländern Testfahrten auf der knapp 32 Kilometer langen Strecke in Lathen statt. Wenn sich daraus kein konkretes Geschäft ergebe, würden Bund und Land kaum weiteres Geld für die Teststrecke ausgeben, auch wenn diese Technologie eigentlich zukunftsweisend sei.

Für das neue Interesse machte Schwarz die gesunkenen Baukosten verantwortlich. Dem Bericht zufolge hat der bayerische Baukonzern Max Bögl ein billigeres Verfahren zur Herstellung der Trasse entwickelt. Bögl dränge nun darauf, die Versuche im Emsland noch mindestens ein Jahr fortzuführen, um die neue Technologie weiter zu testen.

Die Transrapid-Bauer ThyssenKrupp und Siemens hatten nach dem Scheitern der deutschen Magnetschwebebahn-Pläne in München ihre Anstrengungen für die Technologie deutlich reduziert und die gemeinsame Projektgesellschaft Transrapid International (TRI) aufgelöst. Für neue Hoffnung auf einen Export sorgte zuletzt der bayerische Baukonzern Max Bögl, der für den Bau der Fahrstrecke auf Betonsäulen ein billigeres Verfahren entwickelt hat. Dadurch soll die Magnetschwebebahn um bis zu 30 Prozent billiger werden als in Shanghai, wo die weltweit einzige kommerzielle Transrapidstrecke steht.

Aufgrund des Unfalls vom September 2006 mit 23 Toten und etlichen Verletzten hat die Betreibergesellschaft der Teststrecke zur Zeit nur eine Teilgenehmigung. Fahrten mit Besuchern sind seither nicht erlaubt.

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