Telefonieren über Computerleitungen
Telefonanlagen werden durch Internettechnik ersetzt

Die guten alten Telefonanlagen werden nach und nach eingemottet und durch Datennetze ersetzt, über die nicht nur Dateien, sondern auch Sprache übertragen werden kann.

FRANKFURT. Wer über die neuen Netze telefoniert, merkt nicht, dass er das über die Datenleitung tut. Sprache wird in so genannten Konvergenz-Netzen in digitalen Pakete verwandelt und wie andere Daten über das Netzwerk verschickt und am Endpunkt vom Computer wieder zusammen gesetzt. Der Vorteil sind sinkende Wartungskosten.

Immer mehr Firmen setzen setzen auf diese Technik, die mit dem Internet-Protokoll (IP) arbeitet. So auch die auf Immobiliengeschäfte spezialisierte Eurohypo AG. Bislang benötigt die Spezialbank Fachleute für die Pflege ihrer Computernetzwerke und gleichzeitig Telefonanlagenspezialisten, damit beide Kommunikationswelten an allen Unternehmensstandorten reibungslos arbeiten. Letztere will sich die Eurohypo in Zukunft sparen und so das Geld für das Konvergenznetz in zwei Jahren wieder raus haben.

Unternehmen wie Avaya, federführend bei dem Eurohypo-Projekt, oder Siemens setzten große Hoffnungen auf die Integration der Telefonanlagen in die Datennetze. Potenzielle Konvergenz-Kunden interessiert neben den Einspar-Potenzialen die Möglichkeit, Computer- und Sprachanwendungen miteinander zu verzahnen und damit Anwendungen anzubieten, die früher nicht denkbar waren. So nimmt bei der Eurohypo ein zentrales Kundenmanagementsystem auf IP-Basis Anrufe, Faxe und E-Mails an und leitet diese weiter. Die Technik ist zudem voll in die SAP-Systeme der Bank integriert, damit alle Prozesse, die durch eine Kontaktaufnahme von Außen angestoßen werden, ohne Medienbrüche fortgesetzt werden können. Schritt für Schritt sollen drei Call-Center und Telefone von bis zu 50 Unternehmensfilialen in Europa über ein unternehmensübergreifendes Datennetz verbunden werden.

Die Gartner Group geht davon aus, dass im Jahr 2005 rund 45 % der neu installierten Telefonleitungen IP-basiert arbeiten werden. 2000 waren es noch zwei Prozent. Doch die Umstellung verläuft anders als von den Herstellern angedacht: „Nicht die IP-Revolution, sondern die Evolution ist gefragt, bringt Bernd Kuhlin, Leiter des Geschäftsgebiets Enterprise Networks bei Siemens Information and Communication Networks, die Entwicklung auf den Punkt. Die Firmen wollen Lösungen, die auf bestehende Telefonanlagen aufsetzen. Das erlaubt ihnen die schrittweise Umstellung, so dass die klassische Telefonanlage dann irgendwann einfach abgeschaltet werden kann.

„Viele Kunden wollen außerdem gerne mehr können. Da Sprache Teil der Datennetze ist, lässt sie sich auch in Geschäftsprozesse integrieren“, sagt Bernd Kuhlin. Siemens arbeitet dabei mit Software-Größen wie Microsoft, SAP und IBM zusammen. „Unser Ziel ist es, Kommunikationsmodule in Software wie .NET, Lotus Websphere und SAP Portals zu integrieren“, sagt Kuhlin.

Einen zweistelligen Millionenbetrag hat man bei Siemens in diese Projekte investiert. Nachgefragt werden derzeit Dienste, bei denen ein Symbol auf der Gesprächspartnerliste anzeigt, ob und über welches Medium – Telefon, E-Mail oder SMS – ein Mitarbeiter gerade erreichbar ist.

Im Schweizer Hotel Palafitte in Monruz-Neuchâtel am Neuenburgersee ist so eine integrierte Kommunikationslösung bereits im Betrieb. Die Hotelgäste greifen über das Datennetz auf das Internet sowie auf Computerspiele zu und telefonieren über die Computerleitung. Sämtliche Zimmer sind mit Internet-fähigen Telefonen oder Schnurlos-Handys ausgestattet. Für die Mitarbeiter der Lobby ist am Bildschirm ablesbar, ob und wie ein Gast erreichbar sein will. Alle Softwaresysteme sind miteinander verzahnt, Telefonkosten werden automatisch in das Buchungssystem des Hotels übertragen. Zudem steuern die Hoteliers die Zimmerbelegung und die Gebäudetechnik wie Licht, Heizung oder die Jalousien über dieses Netz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%