Triebwerke
Forschung auf Hochtouren

Triebwerkshersteller investieren Milliarden in die Zukunft des Flugzeugantriebs: Mit dem Open Rotor und dem Geared Turbofan konkurrieren gleich zwei revolutionäre Technologien um die Gunst der Flugzeugbauer. Am Ende könnte jedoch eine Technik vorne liegen, die zumindest am Boden bei Landmaschinen schon heute funktioniert.
  • 0

DÜSSELDORF. Ein Flugzeugtriebwerk zu entwickeln, ist ein bisschen wie eine Pferdewette. Man informiert sich, hat einen Plan, ein gutes Gefühl - aber am Ende bleibt es ein Glücksspiel. Ein kleiner Unterschied: Die Triebswerkshersteller wissen nicht nach zwei Minuten, ob ihre Rechnung aufging. Sie investieren Milliarden in eine Idee, die erst Jahre später zum Produkt wird. Derweil müssen sie hoffen, dass sich ihr Antrieb bei den Flugzeugbauern und Airlines durchsetzt.

Derzeit konkurrieren vor allem zwei bahnbrechende Entwicklungen um die Gunst von Boeing, Airbus und Co.: Zum einen forschen unter anderen Rolls-Royce und der weltgrößte Triebwerkshersteller General Electric (GE) unabhängig voneinander am Open Rotor, einem neuartigen Propellerantrieb. Bis zur Marktreife werden noch einige Jahre vergehen.

Zum anderen wird von der Konkurrenz am GTF (Geared Turbofan) getüftelt, in einem Gemeinschaftsprojekt des amerikanischen Herstellers Pratt & Whitney und der deutschen MTU. Die Neuheit: Der Kern des Triebwerks muss sich nicht mehr so schnell drehen wie die Schaufeln. Das verheißt eine Treibstoffeinsparung von bis zu 15 Prozent. Das Konzept stammt aus den 80er-Jahren, doch erst vor drei Jahren hat Pratt & Whitney entschieden, es bis 2013 zur Marktreife zu bringen.

Ist der Startschuss gefallen, muss ein Hersteller gut 15 Jahre warten, bis die Entwicklungskosten wieder eingespielt sind. Der Verkauf der Triebwerke allein reicht dazu nicht - zumal die Hersteller Rabatte von 50 Prozent und mehr geben, damit ihr Antrieb in möglichst viele Flugzeuge eingebaut wird. Nur wenn sie genug Abnehmer finden, bekommen sie später ausreichend Aufträge für die Instandhaltung - erst damit kommen sie in die schwarzen Zahlen.

Als Faustregel gilt, dass sich die Entwicklung erst ab 1 000 bis 1 200 verkauften Triebwerken lohnt. Den GTF haben die Flugzeugbauer Mitsubishi und Bombardier bereits für ihre neuen Regionaljets geordert. Rund 130 Stück sind damit fest bestellt. "Um die finanzielle Last und das Risiko der Vermarktung auf mehrere Schultern zu verteilen, entstehen heutige Triebwerke fast ausschließlich in Kooperationen", sagt MTU-Chef Egon Behle.

Seite 1:

Forschung auf Hochtouren

Seite 2:

Kommentare zu " Triebwerke: Forschung auf Hochtouren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%