Umwelt
Geflügelkot als Fischfutter: Experte sieht Vogelgrippe-Risiken

Die traditionelle Fischzucht in Asien trägt zur Verbreitung des Vogelgrippe-Erregers auf Wildvögel bei.

dpa NANCHANG. Die traditionelle Fischzucht in Asien trägt zur Verbreitung des Vogelgrippe-Erregers auf Wildvögel bei. In China, Vietnam oder auf den Philippinen schütteten Fischzüchter Geflügelkot als Fischfutter oder Dünger in ihre Teiche, erklärte Scott Newman von der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) bei der Seenschutz-Konferenz „Living Lakes“ am Donnerstag im chinesischen Nanchang.

Mit frischem Abfall aus Geflügelhaltungen könne aber auch das aggressive H5n1-Virus in die Fischteiche gelangen - und dort auf Wildvögel überspringen. Der Vogelgrippe-Erreger sei je nach Temperatur vier bis 20 Tage lang ansteckungsfähig.

Unter den Wildvögeln, bei denen das Virus vom gefährlichen Typ H5n1 nachgewiesen wurde, seien auch Arten, die sich von mehreren Fischsorten ernährten, betonte der FAO-Experte. „Wir wissen noch nicht, wie sie den Erreger bekommen haben, aber sicher ist, dass die Fischzucht die Vögel anzieht und dass sie durch die mit Geflügelkot verunreinigten Teiche einem H5n1-Risiko ausgesetzt sind.“

Die Fische könnten das Virus wahrscheinlich nicht aufnehmen. Falls das Virus über den Kot des Geflügels in die Teiche gelange, sei aber gut denkbar, dass sich die Vögel beim Trinken am Ufer ansteckten.

„Die Wildvögel sind eher die Opfer“, sagte Newman. Nicht Zugvögel, wie viele fälschlicherweise glaubten, sondern Landwirtschaft und Geflügelhaltung seien die Hauptverbreitungsquellen für die Vogelgrippe, betonte der Experte. „Wir haben noch keine gesicherten Fakten, wie brauchen mehr wissenschaftliche Erkenntnisse, bevor wir den Farmern Empfehlungen geben können.“

Wolfgang Fiedler von der Max-Planck-Gesellschaft für Ornithologie sagte, es sei nicht davon auszugehen, dass die Vogelgrippe auf dem Rückzug sei. Wie sich das H5n1-Virus ausbreiten werde, hänge auch stark vom Wetter ab - Kälte begünstige die Ausbreitung.

Der Vogelkundler zweifelte an den offiziellen Zahlen Chinas zu Vogelgrippe-Fällen bei Menschen: Dass den Angaben zufolge nur 21 Menschen an dem H5n1-Virus erkrankten und es 14 Todesopfer gab, komme ihm wenig vor, sagte der Vogelkundler. „Wahrscheinlich sind Fälle übersehen worden.“ Ausländische wie chinesische Wissenschaftler dürften in der Volksrepublik nur mit besonderer Genehmigung zum Thema Vogelgrippe forschen. „Das tut weh, weil wir noch so wenig wissen.“ Mehr Untersuchungen und ein „besserer und freier Informationsfluss unter allen Ländern“ seien dringend notwendig für die wirksame Bekämpfung der Seuche. „Das ist in Asien aber ein Problem.“

Zum Abschluss der Konferenz mit 200 Teilnehmern aus gut 40 Ländern forderten die veranstaltenden Umweltorganisationen Global Natur Fund (GNF/Radolfzell) und der chinesische Partner Mrlsd einen verstärkten Schutz für den Poyang - den größten Frischwassersee Chinas. Der Poyang im Osten des Landes sei der einzige unter den großen Seen der Volksrepublik, der noch in einem relativ guten Zustand sei. Es müssten aber mehr Anstrengungen unternommen werden. So müsse in der Region um den See ökologischer Landbau gefördert werden, seltene Vogelarten in den Feuchtgebieten von Weltrang bedürften Schutz. Dabei müssten Regierungs-unabhängige Organisationen (Ngos) gezielt eingebunden werden. Das „Living Lakes“-Netz mit mehr als 40 Partnerseen auf fünf Kontinenten ist ein Projekt des GNF.

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