Umwelt
Lateinamerikanische Affen bedroht

In Lateinamerika werden jährlich bis zu 5,4 Mill. Affen gejagt. In vielen Gebieten sind die Primaten inzwischen ähnlich wie in Afrika vom Aussterben bedroht.

dpa BUENOS AIRES/MüNCHEN. In Lateinamerika werden jährlich bis zu 5,4 Mill. Affen gejagt. In vielen Gebieten sind die Primaten inzwischen ähnlich wie in Afrika vom Aussterben bedroht. Das berichten die Schutzorganisationen PRO Wildlife und Care for the Wild International (CWI) in einer Auswertung von Studien aus 16 Ländern des Subkontinents.

Viele der Ureinwohner seien von Blasrohren auf Gewehre umgestiegen. Holzfäller würden immer tiefer in die Tropenwälder eindringen, und die Umwelt der Affen werde immer mehr bedroht. Die Affenjagd müsse verboten werden, fordern die beiden Organisationen.

Vor allem großwüchsige Arten wie Woll-, Brüll-, Klammer- und Kapuzineraffen seien inzwischen vielerorts bereits verschwunden. Die größeren Arten seien zuerst gefährdet, weil die Jäger mit einer einzigen Kugel mehr Fleisch erbeuten könnten, berichten die Autoren. „Gerade jetzt ist wieder eine Eskalation der Affenjagd zu erwarten, weil die Tiere nach der Regenzeit besonders gut genährt sind“, zitiert der Bericht die PRO Wildlife-Sprecherin Sandra Altherr.

Bisher war die Gefährdung von Primaten durch die schonungslose Jagd vor allem aus Afrika bekannt. Dort ist das so genannte Bushmeat - frei übersetzt Wildbret - in vielen Regionen fester Bestandteil des täglichen Speisezettels. „Während die Jagd auf Gorillas und Schimpansen in Afrika seit Jahren in den Schlagzeilen ist, ist die drohende Ausrottung von Affen in Lateinamerika nahezu unbekannt“, ergänzt Barbara Maas von CWI.

Die Affenjagd ist in Lateinamerika nichts Neues. Affen seien in Mittel- und Südamerika seit Jahrhunderten zur Selbstversorgung bejagt worden. In den vergangenen Jahrzehnten aber habe sich die Lage dramatisch verschärft. „Nahezu alle indigenen Gruppen verwenden inzwischen statt traditioneller Blasrohre die effektiveren Gewehre. Und durch den Ausbau der Infrastruktur werden selbst abgelegene Rückzugsgebiete für Affen den Jägern zugänglich“, erläutert die PRO Wildlife-Sprecherin. Steigende Bevölkerungszahlen und die weit verbreitete Armut lassen den Menschen oft keine andere Wahl als gefährdete Tierarten zu jagen.

Auch Siedler in ländlichen Gebieten und die Stadtbevölkerung konsumieren wachsende Mengen Affenfleisch. Die Konsequenzen für die Primatenbestände sind fatal: 20 Affenarten der Neuen Welt gelten auf der Roten Liste inzwischen als vom Aussterben bedroht, 14 als stark gefährdet und 27 als gefährdet. Der Gelbschwanzwollaffe (Oreonax flavicauda) ist mit weniger als 250 Tieren einer der am meisten bedrohten Primaten weltweit.

Das Verschwinden der Affen habe Folgen weit über die Primatenbestände hinaus. Affen ernähren sich großteils von Früchten und verbreiten so die Samen hunderter Pflanzenarten. Fehlt dieser wichtigste Samenverbreiter, verändert sich die Zusammensetzung der Pflanzenwelt massiv, weil sich bestimmte Arten nicht mehr so gut ausbreiten können wie andere, deren Samen unabhängig von den Affen verbreitet werden.

PRO Wildlife und CWI fordern deshalb von internationalen Artenschutzgremien, gegen die drohende Ausrottung dutzender Affenarten vorzugehen. „Letztlich kann nur ein Verbot der Affenjagd in Kombination mit einem konsequenten Vollzug die Ausrottung der Primaten in Mittel- und Südamerika aufhalten“, betont Maas.

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