Umweltschützer appellieren an Reedereien
Kreuzfahrten bedrohen Ökosysteme

Kreuzfahrten liegen im Trend, doch der Massentourismus mit schwimmenden Luxus-Hotels stößt in immer entlegenere Regionen vor, verschmutzt das Meer und verstört wilde Tiere.

DÜSSELDORF. "Für Seebären und diejenigen, die es werden möchten", wurde die "Hanseatic Explorer" angeblich gebaut. Das im September fertig gestellte 48 Meter lange Spezialschiff ist zur Ausbildung für angehende Offiziere, Schiffsmechaniker, Nautiker und Köche konzipiert - und zugleich als Expeditionsschiff für Privatpersonen.

Kreuzfahrten mit Seefahrtsgefühl statt Luxushotel-Schnickschnack - das ist eine kleine Sensation auf dem boomenden Markt für Kreuzfahrten. So fällt die Explorer auch optisch aus dem Rahmen: Der spitze Vorsteven ist eisverstärkt und typisch Handelsschiff, die Brücke ist großzügig verglast und ähnelt eher der eines Forschungsschiffs, und am Heck erstrecken sich urplötzlich geräumige Decksflächen eines Kreuzfahrers, bei dem auch die Treppe bis hinunter zur Wasserlinie nicht fehlt. Nicht nur für angehende Seebären, sondern auch "für Meeresliebhaber!" ist dieses Schiff gedacht, wirbt die Bremer Reederei Harren & Partner. Sie und die Reiseagentur Oceanstar, Spezialist für Polar-Kreuzfahrten, wollen sich damit von dem Gigantismus der Branche bewusst absetzen: "Das Schiffsgefühl und das Gefühl zum Meer", sagt Beate Hillwig, Geschäftsführerin von Oceanstar, "gehen bei den großen schwimmenden Hotels doch verloren."

Vom Meer bekommt der Fahrgast etwa auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt, der 352 Meter langen "Queen Mary 2", wenig mit. Auch die "Freedom of the Seas" ist eher eine schwimmende Kleinstadt mit ihren 3 634 Passagieren. Dem deutschen Reiseverband zufolge waren letztes Jahr knapp 639 000 Touristen mit Schiffen auf den Meeren auf Tour und sorgten für einen Marktumsatz von 1,15 Milliarden Euro. Weltweit sind es schon mehr als 600 Millionen Kunden, und der Markt wird bis zum Jahr 2020 wohl eine Steigerung auf rund 2 Billionen US-Dollar erfahren.

Der Fahrgast merkt vom Meer nicht viel, aber das Meer und seine Bewohner bemerken umso schmerzlicher die Anwesenheit der Luxus-Besucher - und ihre Hinterlassenschaften. Diese Tendenz zu immer gewaltigeren Riesenschiffen und der Konkurrenzdruck beim Bau der Schiffe führen nämlich dazu, dass die Sicherheits- und Umweltstandards an Bord nicht immer auf neuestem Stand sind.

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