UNESCO
Pfahlbauten zum Weltkulturerbe erkoren

Leben wie vor 6000 Jahren – zumindest für einen Moment. Die Pfahlbausiedlungen am Bodensee werden im Freilichtmuseum Unteruhldingen wieder lebendig. Die ursprünglichen Fundstätten erhielten nun den UNESCO-Welterbetitel.
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Unteruhldingen/Weil Zum Schutz vor Raubtieren und feindlichen Nachbarn bauten unsere Vorfahren ihre Häuser mitten ins Wasser. An seichten Stellen rammten sie Holzpfähle in den Boden - oft nicht stärker als 15 Zentimeter und drei bis fünf Meter lang. Jedes Jahr kommen mehrere hunderttausend Menschen allein ins Pfahlbau-Museum nach Unteruhldingen am Bodensee, um sich die beeindruckenden Holzhäuser anzusehen und über die Stege über dem Wasser zu gehen. Die Pfahlbauten am Bodensee und in der Alpenregion stammen aus der Stein- und Bronzezeit. Die archäologischen Unterwasser-Denkmäler entstanden um etwa 4300 bis 800 vor Christus. 

„Die Pfahlbauten sind ein sehr wichtiges Phänomen in der Archäologie, weil sie im Erhaltungsgrad vergleichbar mit den ägyptischen Pyramiden sind“, sagt der Archäologe Peter Walter vom Pfahlbau-Museum Unteruhldingen. „Die Stücke geben mehr Aufschluss über den Alltag der Menschen in dieser Zeit, als Funde aus anderen Epochen.“ Das Freilichtmuseum gehört zwar nicht zu den 111 Fundstätten, die den UNESCO-Welterbetitel erhielten. Da es aber Besuchern das unter Wasser liegende Erbe vermittelt, erhofft Walter sich auch für seine Einrichtung mehr Aufmerksamkeit und neue Forschungsprojekte. 

Erst vor 155 Jahren wurden die Überreste der Siedlungen an einem Alpensee in der Schweiz wiederentdeckt. Die gefundenen Gegenstände aus Keramik oder Textilien und Reste von Bauholz sind bestens erhalten. Sie liegen in den Flachwasserzonen der Seen und in Mooren. Bei Kontakt mit Sauerstoff aus der Luft wären sie zerfallen. Die Hütten selbst waren ebenfalls aus Holzpfählen gebaut, von außen mit Lehm verkleidet und mit Stroh, Rinden und Reisig bedeckt. 

Sechs Alpenländer hatten gemeinsam das Prädikat für die mehr als 100 Fundstellen beantragt - darunter 15 in Baden-Württemberg und drei in Bayern. Neben Deutschland sind Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien beteiligt. Bereits 2005 hatten die Länder mit dem Antrag begonnen, der federführend von der Schweiz eingereicht wurde. 

In Baden-Württemberg betreibt vor allem die Arbeitsstelle des Landesamtes für Denkmalpflege in Hemmenhofen am Bodensee Pfahlbau- Forschung. Sie arbeitet eng mit den Schweizer Forschungseinrichtungen zusammen. In den sechs Alpenländern gibt es nach Angaben des Museums in Unteruhldingen 750 Fundstellen. Am Bodensee selbst sind weit mehr als 100 Fundstellen bekannt. 

In Bayern wurde der UNESCO-Titel für die Roseninsel im Starnberger See sowie jungsteinzeitliche Pfahlbausiedlungen im Landkreis Landsberg am Lech vergeben. Die Fundstellen liegen in Pestenacker, einem Ortsteil von Weil, und in Unfriedshausen in der Gemeinde Geltendorf.

Nur zwei bis fünf Prozent der Pfahlbausiedlungen sind nach Angaben von Forschern bisher wissenschaftlich untersucht worden. Eingriffe des Menschen wie die Uferverbauung oder der Klimawandel hätten dazu geführt, dass Pfahlbau-Reste freigespült und damit zerstört würden.

Vor allem Wind und Wellen sorgen dafür, dass die schützenden Bodenschichten verschwinden und die dann offen liegenden Pfahlbauten beschädigt werden. Im Rahmen eines mit 1,8 Millionen Euro von der EU geförderten Forschungsprojektes wurden beispielsweise 1400 Tonnen Material (Kies, Steine, Matten) ausgebracht, das die Siedlungsreste schützen sollen. Außerdem wurden die Pfahlbauten vermessen und dokumentiert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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