Forschung + Innovation
Urmenschen fütterten möglicherweise zahnlose Artgenossen durch

Die Vorfahren des modernen Menschen haben möglicherweise bereits vor 1,8 Mill. Jahren Ansätze von Mitleid gezeigt und behinderte Artgenossen durchgefüttert. Darauf lasse der Fund eines zahnlosen Hominidenschädels bei Dmanissi bei Tiflis in Georgien schließen.

dpa LONDON/TIFLIS. Die Vorfahren des modernen Menschen haben möglicherweise bereits vor 1,8 Mill. Jahren Ansätze von Mitleid gezeigt und behinderte Artgenossen durchgefüttert. Darauf lasse der Fund eines zahnlosen Hominidenschädels bei Dmanissi bei Tiflis in Georgien schließen.

Das berichten David Lordkipanidze vom georgischen Staatsmuseum und Kollegen im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 434, S. 717).v Dem medizinischen Befund zufolge habe der Hominide alle Zähne bis auf einen bereits Jahre vor dem Tod verloren. Deshalb vermuten die Wissenschaftler um den Archäologen, dass der Urmensch von seinen Nächsten durchgefüttert worden sein könnte.

„Die Vermutung beruht auf rein morphologischen Merkmalen“, sagte der Paläobiologe Abesalom Wekua von der Georgischen Akademie der Wissenschaften der dpa. Die Zahnlöcher im Kiefer seien mit Knochengewebe gefüllt. „Das lässt darauf schließen, dass das Individuum mehrere Jahre lang ohne Zähne existieren konnte.“

Im georgischen Bergland mit langen Wintern seien Fleisch und Aas die Hauptnahrung der Vorfahren des modernen Menschen gewesen. Ein Hominide ohne Zähne habe sich auf weiche Fleischteile wie das Mark oder Pflanzennahrung verlegen müssen. Außerdem „hat er Hilfe von anderen Individuen erfahren, die über das hinausgehen muss, was andere nichtmenschliche Primaten geben können“, schreibt das Forscherteam in „Nature“. Bei Ausgrabungen in Dmanissi waren seit 1999 mehrere Schädelteile aus demselben Zeitalter gefunden worden. Sie stammen vom so genannten Homo habilis, dem Vorfahren des Homo erectus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%