„Venus-Express“ am Ziel
Europa erforscht den „Morgenstern“

Fünf Monate nach ihrem Start hat die europäische Venus-Sonde ihr Ziel erreicht: Am Dienstag um 10.07 Uhr schwenkte der „Venus Express“ in die Umlaufbahn um den lebensfeindlichen Nachbarplaneten der Erde ein.

HB DARMSTADT. Eine Stunde später kam die endgültige Erleichterung: Der Satellit hat nicht nur die Reise von 400 Mill. Flugkilometern, sondern auch das heikle Bremsmanöver problemlos überstanden. „Bislang hatten wir eine Raumsonde. Jetzt haben wir eine wissenschaftliche Mission“, sagte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt.

Die Erleichterung im Kontrollraum war greifbar, jubelnd lagen sich Ingenieure und Wissenschaftler in den Armen. „Es ist ein fantastischer Moment für uns, wir sind endlich bei der Venus angekommen“, freute sich „Venus-Express“-Projektleiter Don McCoy über den Erfolg der 220 Mill. Euro teuren Prestigemission. Dordain sagte stolz: „Das ist ein weiterer Beweis, dass die europäische Raumfahrt riskante Manöver erfolgreich bewältigen kann.“

Zuvor hatten die Ingenieure im Kontrollzentrum die 29 000 Kilometer pro Stunde schnelle Sonde abgebremst, damit sie von der Schwerkraft der wolkenverhangenen Venus erfasst werden konnte. Bei dem mit Spannung verfolgten, rund 50 Minuten langen Manöver verbrannte das Haupttriebwerk etwa 90 Prozent des Treibstoffs des Satelliten.

„Dies ist ein ganz besonderer Moment, weil die Venus für uns etwas ganz Besonderes ist“, jubelte Dordain. Projekt-Wissenschaftler Hakan Svedham erklärte: „Die grundlegende Frage dieser Expedition ist, warum sich die Venus heute so sehr von der Erde unterscheidet, obwohl sie ihr einst sehr ähnlich war.“ Und ESA-Wissenschaftsdirektor David Southwood dachte im Augenblick des Erfolgs schon einen Schritt weiter: „Es ist extrem wichtig für uns alle, die Venus zu verstehen. Aber wir müssen über diesen Planeten und unser Sonnensystem hinausschauen, um wirklich verstehen zu können, warum wir in diesem riesigen Universum ausgerechnet auf der Erde leben.“

In den kommenden Tagen soll der Satellit auf seine Einsatz-Flugbahn in einer Höhe von mindestens 250 und maximal 66 000 Kilometern über den Polen gebracht werden. Eine Landung auf dem rund 470 Grad Celsius heißen Planeten ist nicht geplant. Die Venus zeichnet sich durch hohe Temperaturen, einen hohen Atmosphärendruck, einen erstickenden Treibhauseffekt und orkanartige Stürme aus.

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