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Virologe: Überlebenschance für Marburger Tollwut-Patienten bleibt unklar

Auch vier Wochen nach Beginn einer neuartigen Behandlung bleiben die Aussichten für den an Tollwut erkrankten Organempfänger in Marburg unklar. Der 45 Jahre alte Patient ist der einzige von drei Empfängern, der die Transplantation von Tollwut-infizierten Organen bisher überlebt hat.

dpa MARBURG. Auch vier Wochen nach Beginn einer neuartigen Behandlung bleiben die Aussichten für den an Tollwut erkrankten Organempfänger in Marburg unklar. Der 45 Jahre alte Patient ist der einzige von drei Empfängern, der die Transplantation von Tollwut-infizierten Organen bisher überlebt hat.

„Es stimmt hoffnungsvoll, das jemand mit Tollwut so ungewöhnlich lange überlebt. Eine Prognose ist aber nicht möglich, weil es wenig Erfahrung mit dieser Therapiestrategie gibt“, sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Marburg, Prof. Hans-Dieter Klenk, in einem dpa- Gespräch.

Der Mann wird mit einer neuartigen Methode aus den USA behandelt. Mit der Kombination aus antiviralen Medikamenten und einem künstlich hervorgerufenen Koma hatten US-Ärzte im vergangenen Jahr eine 15 Jahre alte Patientin mit Tollwutsymptomen gerettet. „Das ist der einzige Fall, der bislang zum Erfolg geführt hat“, sagte Klenk. Tollwut gilt eigentlich als tödlich, wenn die Krankheit ausgebrochen ist. Bereits vor rund drei Wochen waren die beiden anderen Organempfänger in Hannover und Hannoversch Münden gestorben. Sie waren ebenfalls mit der Methode aus den USA therapiert worden.

Warum der Tod der beiden anderen Patienten trotz ähnlicher Behandlung so früh eintrat, ist nach Darstellung des Virologen schwer einzuschätzen. „Es kann damit zu tun haben, dass die Virusmenge, mit der die Organe beladen war, höher war. Es kann auch mit dem Allgemeinzustand der Patienten zu tun haben.“ Ärzte hatten die Organe der Spenderin, die sich vermutlich in Indien mit dem tödlichen Virus angesteckt hatte, insgesamt sechs Menschen eingepflanzt. Drei Empfänger erkrankten, drei zeigten keine Tollwut-Symptome.

Der Marburger Patient hatte in der Neujahrsnacht eine Niere und eine Bauchspeicheldrüse der Spenderin erhalten. Er liegt im künstlichen Koma auf der Intensivstation. „Man versucht das künstliche Koma so lange zu halten, dass der Körper die Infektion unterdrücken kann“, erklärte Klenk.

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