Vor 30 Jahren flog Sigmund Jähn ins All
Der Sieger im deutsch-deutschen Space-Race

Vor 30 Jahren startete der erste Deutsche ins All. Als Sigmund Jähn am 3. September 1978 zur Erde zurückkehrte, hatte er ein chronisches Rückenleiden - und die DDR eine Art Popstar.

dpa MORGENRÖTHE-RAUTENKRANZ. Sein Flug in die Geschichtsbücher dauerte genau sieben Tage, 20 Stunden, 49 Minuten und vier Sekunden. Vor 30 Jahren, am 26. August 1978, startete der NVA-Oberstleutnant Sigmund Jähn als erster Deutscher ins All. Als er am 3. September zur Erde zurückkehrte, hatte die DDR eine Art Popstar. Das ganze Land befand sich im kollektiven Rausch. Die SED-Propaganda feierte den Flug als Beweis für die Überlegenheit des Sozialismus. In euphorischen Medienberichten wurde Jähn zur schier überirdischen Identifikationsfigur stilisiert.

Es war ein lauer Samstagabend, als um 19.51 Uhr Ortszeit das Raumschiff Sojus 31 mit Jähn und dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski vom Weltraumbahnhof Baikonur abhob. Das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ beschrieb die erfolgreiche Ausreise als „historisches Ereignis im Leben unseres Volkes“. Im Fernsehen gab es Sondersendungen. Zeitungen veröffentlichten „Selbstverpflichtungen“ von DDR-Bürgern, die sich Jähn als Vorbild für neue Arbeitsleistungen nahmen.

Sigmund Jähn, der Mann aus dem kleinen Vogtland-Ort Morgenröthe-Rautenkranz, war allgegenwärtig. Die Oberen ließen so viele Plakate mit seinem Konterfei aufhängen, dass „ein Jähn“ fortan scherzhaft als Maßeinheit den Abstand dazwischen angab. Souvenirs zum All-Flug wurden zu Verkaufsschlagern. In der Euphorie würdigten die DDR- Blätter Jähn als „ersten Deutschen im All“. Dabei hätte es nach offiziellem Sprachgebrauch eher „DDR-Bürger“ heißen müssen. Dass sich die Raumkapsel bei der Landung dreimal überschlug und Jähn sich das Rückgrat verletzte, verschwieg die Propaganda-Maschinerie.

Es war ein Flug zwischen Propaganda und Wissenschaft. Jähn züchtete neuartige Kristalle für die Industrie und schoss mit dem Multispektral-Fotokamerasystem MKF-6 aus Jena zahlreiche Aufnahmen der Erdoberfläche. Er hielt Wimpel in die Bord-Kamera, dankte dem Zentralkomitee der SED und widmete den Flug dem 30. Jahrestag der DDR. Später räumte der Vater von zwei Töchtern ein, dass er solche Sätze auswendig lernen musste: „Das war alles abgestimmt.“

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