Forschung + Innovation
Weibchen wirbt um Weibchen - Gen steuert Partnerwahl bei Fliegen

Ein einzelnes Gen steuert die Partnerwahl bei Fruchtfliegen. Das hat eine österreichische Forschergruppe entdeckt.

dpa WIEN/OXFORD. Ein einzelnes Gen steuert die Partnerwahl bei Fruchtfliegen. Das hat eine österreichische Forschergruppe entdeckt. Dies zeige, dass eine einzelne Erbanlage ein komplexes Verhaltensmuster bei Tieren steuern kann, berichten die Wissenschaftler um Barry Dickson von der österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Sie stellen ihre Entdeckung im Fachjournal „Cell“ (Bd. 121, S. 795) vor.

Das Gen startet bei den Männchen der Fruchtfliege Drosophila melanogaster das aufwendige Programm zum Buhlen um das Weibchen. Der Einfluss der Erbanlage ist offensichtlich sehr weit reichend: Als die Wissenschaftler die männliche Form des Gens auf weibliche Fliegen übertrugen, benahmen sich diese plötzlich fast exakt wie Männchen. Sie tippelten vor anderen Weibchen, schwangen die Flügel und unternahmen auch sonst alles, um auf sich aufmerksam zu machen. Männchen mit der weiblichen Form des Gens hingegen warben kaum noch um eine Partnerin.

Dickson und seine Kollegen hatten eine Erbanlage namens „fruitless“ untersucht. Durch einen biologischen Trick geht aus dem „fruitless“-Gen des Männchens ein etwas anderes Protein hervor als aus jenem des Weibchens. Für die Forscher ist diese Erbanlage daher ein mächtiger „Schalter“.

„Wir haben gezeigt, dass ein einziges Gen bei Drosophila-Fliegen alle Aspekte der sexuellen Orientierung und des sexuellen Verhaltens spezifiziert“, erläuterte Dickson. „Normalerweise "verfolgen" männliche Fliegen die weiblichen Artgenossen. Aber durch verschiedene Manipulationen an dem Gen haben wir männliche Exemplare geschaffen, die sich an männliche Fliegen heran machten und weibliche, die gleichgeschlechtliche umwarben. Schließlich gab es auch noch weibliche Insekten, welche die Männchen "hofierten".“

Aus zahlreichen vorausgegangenen Studien war bereits bekannt, dass einzelne Erbanlagen zum Beispiel die Form eines Insektenflügels steuern können. Dafür aber, dass schon eine Erbanlage ausreicht, um ein komplettes Verhaltensprogramm zu steuern, gebe es bislang nur sehr wenige Beispiele, schreiben die Forscher in „Cell“. Nun sei gezeigt, dass sich bereits aus dem Studium einzelner Erbanlagen durchaus sehr viel über das Verhalten eines Tieres lernen lasse. dpa tr yyzz tim

021 140 Jun 05

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