Wireless Hart
Drahtlos-Technik vor dem Durchbruch

Bisher galt es als schwierig Produktionsprozesse schnurlos zu überwachsen. Zu aufwändig und anfällig waren Funktechniken wie W-Lan und Bluetooth. Mit Wireless Hart soll dieses Problem nun gelöst sein. Die kabellose Übertragungstechnik hat ihre ersten Bewährungsproben bereits bestanden.
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BERLIN. Ein gewaltiger Luftstrom bläst Berge von Polyethylen-Pellets ins Silo, hier in der Produktion der Kölner Ineos GmbH. Das ist elegant, funktioniert aber nur mit sauberer Luft, was eine ganze Batterie Filter garantiert. Weil die Kunststoffverarbeiter von Außen aber nicht erkennen konnten, wann die Filter sich zugesetzt hatten, warteten sie bisher, bis die Anlage von selbst stoppte. Produktion im Blindflug - so handhaben das viele Industriebetriebe.

Doch seit kurzem können die Kölner den Zustand der Luftfilter live überwachen: Sie haben so genannte Differenzdruck-Messgeräte an den Röhren anbringen lassen - ihre Daten senden die Sensoren per Funk. „Die hohen Kosten haben uns davon abgehalten, die Online-Überwachungsmessstellen zu verkabeln, wie wir es ursprünglich wollten“, erklärt Frank Mehlkopf, Wartungsingenieur bei Ineos. Stattdessen testet er jetzt eine Funktechnik, die auf dem neuen Wireless-Hart-Standard aufbaut.

Andere drahtlose Kommunikationstechnologien wie Wlan oder Bluetooth haben sich in der Industrie bisher nicht durchsetzen können, weil sie als zu aufwändig und anfällig gelten. Doch seit Mitte vergangenen Jahres ist Wireless Hart freigegeben. Und der Standard schickt sich an, zu einer echten Alternative in rauen Industrie-Umgebungen zu werden.

Wireless Hart knüpft an das verbreitete Hart Protokoll („Highway Addressable Remote Transducer“) an, mit dem Industrieunternehmen weltweit per Kabel 23 Mio. Maschinen steuern und überwachen. Weil Hart so weit verbreitet ist, lässt sich auch die Drahtlosvariante herstellerübergreifend bei allen gängigen Systemen einsetzen.

Um die Funktechnologie einsetzen zu können, ist auch keine Genehmigung erforderlich, erklärt Gerrit Lohmann, Produktmanager für Prozessautomation bei der Pepperl+Fuchs GmbH in Mannheim: „Es wird das weltweit lizenzfreie 2.4- Gigahertz-Band genutzt, wie für Wlan, Bluetooth, ZigBee und andere Funktechniken.“

Abgesehen davon funktioniert das Drahtlos-Hart aber völlig anders als Wlan und Co.: Denn während ein herkömmliches Wlan-Netz lediglich Punkt-zu-Punkt-Verbindungen aufbauen kann, nutzt Wireless Hart ein sich selbst organisierendes Netz, das Fachleute als Mesh Network bezeichnen. Hier ist jeder Teilnehmer gleichzeitig Sender und Empfänger. Der ursprüngliche Sender schickt eine Nachricht an seinen nächsten Nachbarn, dieser schickt die Nachricht wiederum weiter, bis sie die Basisstation und damit den eigentlichen Empfänger erreicht hat. „Dadurch kann das Netzwerk ein kilometerweites Areal abdecken“, erklärt Experte Lohmann.

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