Wissenschaft
Expertin: Worte können wie körperliche Gewalt verletzen

Worte können nach Aussage der Sprachexpertin Sybille Krämer ähnlich verletzend sein wie körperliche Gewalt.

dpa BERLIN. Worte können nach Aussage der Sprachexpertin Sybille Krämer ähnlich verletzend sein wie körperliche Gewalt. „Sprachliche Verletzungen kommen überall da vor, wo Gefühle oder unklare Machtverhältnisse im Spiel sind“, sagte Krämer, Philosophin mit Schwerpunkt Sprache und Medien an der Freien Universität (FU) Berlin in einem dpa-Gespräch. Sie seien ein alltägliches Problem vieler Beziehungen.

„Worte fügen dem Gegenüber zwar keine physischen Verletzungen zu, aber sie können durchaus als linguistisches Messer eingesetzt werden.“ Zum Thema Gewalt durch Sprache findet von diesem Donnerstag an eine Konferenz an der FU mit Wissenschaftlern aus Europa und den USA statt.

„Problematischerweise wird in unserer Gesellschaft angenommen, dass Reden Gewalt verhindern kann - dass sich Gewalt und Sprache also ausschließen“, sagte die Professorin. Dieses Bild sei jedoch falsch, denn Sprache habe stets die Kraft, andere zu verletzen. „Worte sind oft auch Waffen.“ Das einfachste Beispiel dafür seien Schimpfnamen, die den Gegenüber kränken könnten.

„Diese Kraft von Sprache wird aber häufig unterschätzt und oft auch unbewusst eingesetzt“, sagte Krämer. „Wenn ein Vater seinem Kind sagt: 'Tom hat bessere Noten als du' oder wenn eine Frau ihrem Partner sagt: 'Herr Müller bringt mehr Geld nach Hause als du', dann mögen diese Aussagen sachlich betrachtet richtig sein.“ Dennoch könnten diese Worte wie Waffen wirken, weil sie das Können des Anderen anzweifelten.

„Sprache verletzt, indem sie unsere Rolle in der Gesellschaft in Frage stellt“, erklärte Krämer. Durch Tratsch, Verspottungen oder Beleidigungen werde die gesellschaftliche Stellung eines Einzelnen angegriffen und herabgesetzt. „Wie sehr das verletzt, ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt von der gesellschaftlichen Stellung ab“, sagte die Expertin. Wer beruflich und privat gefestigt sei, könne mit Hohn meist besser umgehen als jemand, der näher am Rand der Gesellschaft stehe und sich durch Worte noch weiter ausgegrenzt fühle. „Das kann nur vermieden werden, indem jeder die Wirkung von Sprache erkennt und verletzende Worte vermeidet.“

Die Tagung „Gewalt durch Sprache - Rhetoriken verletzenden Sprechens“ findet vom 9. bis 11. November an der FU statt. Die Konferenz ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

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