Wissenschaft
Neues vom Hobbit: Zwergmenschen nutzten Werkzeuge

Trotz ihres erstaunlich kleinen Gehirns stellten die auch als „Hobbits“ bezeichneten Zwergmenschen der Art Homo floresiensis vermutlich schon Steinwerkzeuge her. Diese Technik hatten die kleinen Urmenschen aus Indonesien wahrscheinlich von ihren Vorfahren gelernt.

dpa LONDON. Trotz ihres erstaunlich kleinen Gehirns stellten die auch als „Hobbits“ bezeichneten Zwergmenschen der Art Homo floresiensis vermutlich schon Steinwerkzeuge her. Diese Technik hatten die kleinen Urmenschen aus Indonesien wahrscheinlich von ihren Vorfahren gelernt.

Das ergab ein Vergleich der Hobbit-Werkzeuge mit sehr viel älteren Fundstücken, den ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Nature“ (Bd. 441, S. 624) vom Donnerstag vorstellt. Von den kleinen Urmenschen auf der indonesischen Insel Flores hatten Wissenschaftler erstmals im Oktober 2004 berichtet.

Die neue Untersuchung spricht gegen die von einigen Wissenschaftlern geäußerte Vermutung, die zusammen mit den „Hobbits“ gefundenen Werkzeuge seien so komplex, dass sie nur von modernen Menschen hergestellt worden sein können. Die Wesen, die wohl noch bis vor 12 000 Jahren die Insel bevölkerten, maßen gerade mal einen Meter, ihr Kopf hatte die Größe einer Pampelmuse. Damit besaßen die Zwergmenschen nur ein Drittel der Gehirnmasse des heutigen Menschen.

Adam Brumm von der Australian National University (Canberra/Australien) und seine Mitarbeiter haben nun mehr als 500 Steinartefakte aus Mata Menge untersucht, einer rund 50 Kilometer vom Fundort der Flores-Menschen entfernt gelegenen Grabungsstätte. Die dort entdeckten Steine wurden bereits vor mehr als 800 000 Jahren von den damals dort lebenden Frühmenschen behauen. Eine genaue Analyse ergab nun, dass die Steine auf die gleiche Weise bearbeitet wurden, wie die mehr als 700 000 Jahre später hergestellten Werkzeuge, die bei den Flores-Menschen gefunden wurden. Die Tradition der Steinbearbeitung wurde also auf der Insel von Generation zu Generation weitergegeben, folgern die Forscher.

Moderne Menschen (Homo sapiens) tauchten auf Flores erst vor rund 10 500 Jahren auf. Mit ihnen veränderte sich die Herstellungsweise, so dass sie als Produzenten der Flores-Steinwerkzeuge ausscheiden.

Die Herkunft und Entwicklung von Homo floresiensis ist bislang unklar. Möglicherweise handelt es sich um Nachfahren von Homo erectus-Menschen, die in der Abgeschiedenheit der Insel geschrumpft sind. Ein solcher Vorgang ist aus dem Tierreich ­ und auch von der Insel Flores ­ bekannt. Dort lebten etwa so genannte Stegodons, elefantenähnliche Rüsseltiere in Kleinformat. Denkbar ist auch, dass H. erectus und H. floresiensis einen gemeinsamen Vorfahren haben, der bislang unbekannt ist. Einige Wissenschaftler bezweifeln, dass es sich bei den Zwergmenschen überhaupt um eine eigenständige Menschenart handelt. Sie glauben vielmehr, dass die Flores-Menschen zu H. sapiens gehörten und an einer Krankheit litten, bei der Kopf und Körper nicht richtig wachsen.

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