Wissenschaft
Schädlinge gegen Gentechnik-Baumwolle resistent

Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals nachgewiesen, dass Schadinsekten in freier Natur gegen das Bt-Gift in gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen resistent geworden sind. Dies geht aus einer Publikation im Journal „Nature Biotechnology“ hervor.

dpa LONDON/TUCSON. Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals nachgewiesen, dass Schadinsekten in freier Natur gegen das Bt-Gift in gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen resistent geworden sind. Dies geht aus einer Publikation im Journal „Nature Biotechnology“ hervor.

Die Wissenschaftler um Bruce Tabashnik von der Universität von Arizona in Tucson (USA) präsentieren dort ihre Arbeit (Bd. 26, Nr. 2, S. 199). Die Gruppe hatte Baumwollpflanzen in den USA untersucht, die ein zusätzliches Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis tragen (Bt-Baumwolle). Aus dieser Erbanlage entsteht ein Protein (Cry1ac), das Zellen im Darm der Schädlinge zerstört, in diesem Falle beim Baumwollkapselbohrer (Helicoverpa zea).

In den Tests untersuchte Tabashnik, welche Bt-Konzentration nötig war, um die Hälfte der Insekten zu töten. Dabei zeigte sich, dass einige in den Jahren 2003 und 2004 in den US-Bundesstaaten Arkansas und Mississippi gesammelte Baumwollkapselbohrer dafür viel mehr Bt- Gift fressen mussten als jene Insekten, die noch nie damit in Berührung gekommen waren. Sobald zehnmal mehr Gift nötig war, sprechen die Forscher von einer Resistenz.

Bei je zwei Kapselbohrer-Gruppen waren es mehr als 50 Mal soviel, mehr als 100 Mal so viel und mehr als 500 Mal so viel. In Tieren, die 2005 und 2006 im Feld gesammelt wurden, waren es gar 1 000 Mal mehr. „Unsere Analyse zeigt, dass Laborversuche mit Helicoverpa zea den ersten Fall einer in freier Natur entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanzen dokumentieren“, formuliert Tabashnik. Das habe aber noch nicht zu einem Ausfall des Bt- Pflanzenschutzes geführt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schädlinge gegen Pflanzengifte resistent werden, erklärte Prof. Heinz Saedler, Direktor am Max- Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Solche Mutationen entstehen in der Natur zufällig und setzen sich durch, wenn sie den Tieren einen Überlebensvorteil bringen.

Um die Resistenzbildung zu verhindern, werden Bt-Pflanzen meist zusammen mit unveränderten Pflanzen der gleichen Sorte angebaut. Auf ihnen vermehren sich Insekten, ohne resistent zu werden. Nachkommen beider Insektentypen sollen auf jeden Fall wieder empfindlich für das Bt-Gift sein - und sterben. Kritiker zweifeln, dass dies auf Dauer funktioniert. Neue Bt-Pflanzen enthalten mehr als eine Variante des giftigen Bt-Proteins - falls ein Insekt gegen eines resistent werden sollte, soll das zweite zum Zuge kommen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass sie nicht für diese, aber für andere Forschungsarbeiten Geld vom US-Biotechnikunternehmen Monsanto erhalten haben - dem weltweit größten Anbieter der Bt-Technologie.

2006 wurden gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit auf rund 102 Mill. Hektar angebaut, 13 Prozent mehr als 2005. Das berichtet die internationale Biotechnik-Agentur Isaaa (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications). Diese gemeinnützige Organisation erwartet, dass bis 2015 mehr als 20 Mill. Landwirte 200 Mill. Hektar gentechnisch veränderter Pflanzen in mehr als 40 Ländern anbauen werden.

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