Wissenschaft
Sonne und Erde driften immer mehr auseinander

Der Abstand zwischen Sonne und Erde nimmt pro 100 Jahre um zehn Meter zu. Darauf hat der Bremer Forscher Claus Lämmerzahl am Montag in München bei der 70. Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) hingewiesen.

dpa MüNCHEN. Der Abstand zwischen Sonne und Erde nimmt pro 100 Jahre um zehn Meter zu. Darauf hat der Bremer Forscher Claus Lämmerzahl am Montag in München bei der 70. Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) hingewiesen.

Dies hätten neuere Berechnungen mehrerer Forschergruppen ergeben, bei denen die Daten zur Beobachtung der Himmelskörper aus den vergangenen 120 Jahren noch einmal systematisch ausgewertet worden seien. Die Ursache für das Auseinanderdriften von Sonne und Erde könne mit den herkömmlichen Methoden und Kenntnissen der Gravitationsphysik nicht erklärt werden.

Der Experte vom Zentrum für Angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm) an der Universität Bremen beruhigte zugleich alle Sonnenanbeter. Der zunehmende Abstand zur Sonne werde keine Auswirkungen auf das Klima haben. Dafür sei die Veränderung angesichts der kosmischen Dimensionen viel zu klein. Unklar sei zum Beispiel auch noch die Ursache für die so genannte Pioneer-Anomalie, berichtete Lämmerzahl. Dieses Phänomen sei nach den beiden Pioneer- Raumsonden benannt worden, die Anfang der 70er Jahre die Erde verlassen und inzwischen die Grenzen unseres Sonnensystems erreicht hätten. Dort würden die Sonden nun aber von einer unbekannten Kraft abgebremst, eine Erklärung dafür sei bisher nicht gefunden worden.

DPG-Präsident Prof. Knut Urban vom Forschungszentrum Jülich forderte unterdessen mehr staatliche Mittel für die Forschung. „Wir müssen uns im internationalen Wettbewerb richtig aufstellen, und dazu gehört eine ganze Menge Geld.“ Vor allem müsse sich die Erkenntnis durchsetzen, dass in der Forschung eine Situation erreicht sei, in der man erst einmal über lange Zeit erhebliche Mittel einsetzen müsse, bevor sich ein Nutzen für die Industrie einstelle. Das könnten durchaus Zeiträume von 15 bis 20 Jahren sein. „Die Bereitschaft, dieses Risiko einzugehen und Gelder über lange Zeit zu investieren, entscheidet über unsere Zukunft.“

An der Physiker-Tagung, die am Montag eröffnet wurde und die bis zu diesem Freitag dauert, nehmen rund 700 Wissenschaftler aus ganz Deutschland teil. Die Themen reichen von der zukünftigen Stromversorgung über Klimaschutz und neue Erkenntisse über Atomkerne sowie Elementarteilchen bis hin zur Frauenförderung in der Wissenschaft.

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