Wissenschaft
Weltraumwetter-Teleskop in Betrieb

Die Auswirkungen von Sonnenstürmen auf die Erde können mit einem Frühwarnsystem künftig besser vorhergesagt werden. In Greifswald ist dafür am Donnerstag das erste europäische Weltraumwetter-Myonen-Teleskop in Betrieb genommen worden.

dpa GREIFSWALD. Die Auswirkungen von Sonnenstürmen auf die Erde können mit einem Frühwarnsystem künftig besser vorhergesagt werden. In Greifswald ist dafür am Donnerstag das erste europäische Weltraumwetter-Myonen-Teleskop in Betrieb genommen worden.

Mit der Anlage könne die Bewegung riesiger Plasmawolken von der Sonne zur Erde untersucht und bis zu 24 Stunden vor dem Eintreffen auf der Erde vorhergesagt werden, sagte der Professor für experimentelle Physik der Universität Greifswald, Rainer Hippler. Bisher betrug die Vorhersagezeit nur rund eine Stunde. Große Auswürfe der Sonne können Navigations- und Kommunikationssysteme stören, Pipelines korrodieren lassen, Satelliten lahm legen sowie Stromleitungen und -stationen beinträchtigen.

Das Teleskop Mustang (Muon Spaceweather Telescope for Anisotropies at Greifswald) wurde von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt finanziert. Mit ihm sei ein weltweit nahezu flächendeckendes Netzwerk komplett, mit dem die Auswirkungen von Sonnenstürmen vorhergesagt werden können, sagte Fritz Gampe von der Esa. Weitere Teleskope stehen bereits in Japan, Brasilien und Australien.

Mit dem Teleskop werden Veränderungen von Teilchen (Myonen) in der natürlichen kosmischen Strahlung gemessen. Diese Strahlung schwächt sich ab, wenn sie auf eine Plasmawolke trifft. Die Esa will mit dem Teleskop wissenschaftliche Daten erheben. Zudem sei geplant, die Daten als eine Art Frühwarnsystem Stromversorgern, Betreibern von Fluglinien und Kommunikationsgesellschaften zur Verfügung zu stellen, sagte Gampe.

Im Herbst 2003 hatten die so genannten Halloween Storms - ein extrem großer Massenauswurf der Sonne - weltweit 28 Satelliten beschädigt. Zwei von ihnen fielen komplett aus. Flugzeuge mussten wegen gestörter Kommunikationssysteme umgeleitet werden. In Schweden kam es zu Stromausfällen. Durchschnittlich einmal im Jahr ist nach Angaben Hipplers ein Auswurf zu beobachten, der Störungen auf der Erde verursachen kann. Die ökonomischen Schäden seien massiv.

Mit den längeren Vorhersagezeiten hätten die Betreiber von Satelliten oder störanfälligen technischen Anlagen mehr Zeit, besser auf die ankommenden Plasmawolken zu reagieren. Der Beobachtungsradius des deutschen Teleskops reicht von Nordeuropa über den Ural und der Nordsahara bis zur Mitte des Nordatlantiks. Das Teleskop ist bisher mit 32 Detektoren ausgestattet. In diesem Jahr soll die zweite Ausbaustufe mit insgesamt 128 Detektoren beginnen. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei rund 600 000 Euro.

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