Wo die Zukunft entsteht
Der Traum vom Fliegen ohne Sprit

Die Entwicklung des Flugverkehrs mündet in einem Crash-Szenario: Immer mehr Menschen fliegen, doch die Öl-Ressourcen schrumpfen. In München beginnen Forscher das Undenkbare zu denken: Fliegen ohne Lärm - und ohne Sprit.

MünchenSanft drosseln die Triebwerke ihren Schub. Rasch ziehen die Wolken an der transparenten Außenhaut vorbei, die Passagiere staunen über den einmaligen Panorama-Ausblick zu ihren Füßen. Jetzt verfolgen sie das spektakuläre Spreizen der Tragflächen, wie bei einem Vogel wölben sich die Flügel-Enden nach unten. Wenn die Maschine in wenigen Minuten landet, wird sie keinen Tropfen Sprit verbrannt haben. Denn im Jahr 2040 fliegt man innerhalb Deutschlands mit elektrischen Triebwerken.

Corin Gologan versetzt sich Tag für Tag in das Flugzeug der Zukunft, das ist sein Job. Der Ingenieur arbeitet in München an visionären Konzepten: an Maschinen, die in 15 oder 20 Jahren den Luftverkehr revolutionieren und damit retten sollen. Denn gegen Mitte des Jahrhunderts werden die Klimagesetze streng sein und das Öl knapp. "Mit unseren bekannten Konzepten können wir die Herausforderungen nicht lösen", sagt Gologan ernst. Deshalb sehen seine Flugzeuge von morgen völlig anders aus.

Etwa das Modell eines Hybrid-Luftschiffs, das aussieht wie eine Mischung aus Zeppelin und überdimensionierter Computermaus. Oder der "Claire Liner" mit seiner besonderen Flügelform und innen liegenden Kerntriebwerken, die um ein Mehrfaches effizienter und sparsamer sein sollen als herkömmliche Turbomotoren.

Ideen nicht in die Schublade sperren

Gologan und seine 50 Kollegen werden in München für derlei Visionen bezahlt. Sie sind Mitarbeiter einer in Deutschland wohl einmaligen Forschungseinrichtung. Ingenieure und Informatiker, Soziologen und Geografen arbeiten im Bauhaus Luftfahrt am Luftverkehr der Zukunft. Gefördert vom Freistaat Bayern, dem Airbus-Mutterkonzern EADS, dem Triebwerksbauer MTU sowie dem Zulieferer Liebherr, sollen die Wissenschaftler das Undenkbare denken und "disruptive Technologien" erforschen, wie es im Industrie-Jargon heißt. Der große Sprung gelinge nur "mit radikalen Konzepten", sagt Mirko Hornung, der gemeinsam mit Anita Lineisen das Bauhaus Luftfahrt leitet. Ein Technologie-Radar für die Branche wolle man sein - "eine Schnittstelle zwischen Grundlagen- und Anwendungsforschung", wie Lineisen betont.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%