Amateurfotografie
Die digitalen Spaßmacher kommen

Die Richtung stimmt. Immer mehr nützlicher Kleinkram statt Megapixel-Protzerei, dazu ein Schuss pfiffige Ideen für den Alltag und Liebe zum Detail. Bei der digitalen Amateurfotografie rückt der gelebte Spaß in den Vordergrund. Die ersten Vorboten des digitalen Frühlingserwachens waren ab Sonntag in Florida auf der PMA, dem amerikanischen Pendant zur Photokina, zu besichtigen.

DÜSSELDORF. Hier erste Highlights: Da finden wir bei der Panasonic Lumix TZ1 einen erweiterten Baby-Modus. Nach Eingabe des Geburtsdatums wird auf Wunsch das Lebensalter in die Schnappschüsse ("3 Monate, vier Tage") einblendet. Ein ultimatives Eltern- und Oma-Feature. Gab es das bislang nur für die Ein-Kind-Familie (offenbar die China-Version) können jetzt zwei Kinder fotografisch groß gezogen werden.

Bildvorschau im Kalender-Format bieten Panasonic und Nikon bei den Coolpix S5 und S6. Wer sich an den Tag des gesuchten Fotos erinnern kann (soll zu Zeiten außerhalb des rheinischen Karnevals durchaus vorkommen), steuert gezielt den passenden Monat an. Praxisorientiert und übersichtlich.

Nikon hat S5 und S6 eine Software des Herstellers Muvee Technologies spendiert. Die Kamera erstellt aus ausgewählten Fotos und Videos automatisch - ohne jeden PC - eine mit Musik unterlegte Multimediashow (fünf Musikstücke werden mitgeliefert, drei eigene können gespeichert werden). Fünf Schnitt-Muster für Überblendungen und Effekte ("Klassisch", "Gefühlvoll", "Action" und zwei Professional-Modi) sind vorgegeben. Muvee ist im PC-Bereich ein guter Bekannter, die Ergebnisse könne sich sehen lassen. Auf jeden Fall am Abend im Hotelzimmer in geselliger Runde. Die Kamera weiß, ob Fotos im Hoch- oder Querformat geschossen wurden und dreht sie entsprechend.

Selbst die Handtaschenfreundlichkeit erreicht neue Dimensionen. Erinnern wir uns einmal an die riesigen Teleobjektive, die wird mit unseren alten Spiegelreflexkameras herum geschleppt haben. Panasonic hat bei der TZ1 das Leica-Zoom jetzt einfach um die Ecke gebracht. Der Lohn der Mühen: Die Abwinklung des Lichtwegs über ein Prisma ermöglicht bei einer Brennweite von maximal 350 Millimeter (umgerechnet auf klassische Kleinbildkamera) eine Bautiefe von rekordverdächtigen vier Zentimetern.

Die TZ1 machte in einem ersten Kurztest mit ihrem massiven Metallgehäuse einen sehr wertigen Eindruck. Das hochauflösende Display ist hell und gestochen scharf.

Dabei wird auch das lästige Problem bei "Über-Kopf-Fotografie" angegangen. Man hält, etwa auf dem Live-Konzert, die Kamera am ausgestreckten Arm in die Luft - und sieht natürlich nichts im Display. Motivsuche im Blindflug. Per Knopfdruck wird der Betrachtungswinkel jetzt auf diese Art der Darstellung optimiert. Im Test war tatsächlich eine Verbesserung sichtbar, aber gelöst ist das Problem noch lange nicht.

Doch auch der Spaß hat irgendwann mal seine Grenzen und dann kommt Canon mit der Spiegelreflexkamera EOS 30 D. Der Nachfolger der legendären 20 D ist praktisch, klobig, gut. Eine Kamera für den Hobbyfotografen, für den beim Sommerurlaub das Stativ so selbstverständlich ist wie die Sonnenbrille. Mit etwas Zubehör ist ganz schnell die 2000 Euro-Marke geknackt.

Dafür gibt?s - wie von Canon gewohnt - Technik vom Feinsten. Auch hier dominiert die Liebe zum Detail. Die Auflösung wurde gegenüber der 20 D nicht erhöht. Im Gegensatz zur Spaßfraktion sind die Neuerungen jedoch mehr phototechnischer Natur.

Die Picture-Style-Funktion wurde etwa von den Profikameras übernommen. Das ist so etwas wie die Übertragung der früheren Auswahl des passenden Films auf die Digitalwelt. So lassen sich zum Beispiel Farbanmutung, Kontrast oder Schärfebereich dem eigenem Geschmack oder der Aufnahmesituation perfekt anpassen. Auch der helle Sucher der Profi-Geräte ziert die Rückseite der 30 D. Ein interner Zwischenspeicher fasst bis zu 30 Serienbilder in voller Auflösung, wichtig für Sport- oder Tierfotografen. Die 30 D ist laut Canon um 25 Prozent schneller schussbereit als der Vorgänger.

Fazit: Das Fotojahr 2006 fängt schon gut an. Für jeden etwas, Hauptsache es macht Spaß. Man darf gespannt sein, was nächste Woche noch so alles in Florida präsentiert wird.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%