Apple stellt Produktion ein
Abschied vom Ur-iPod

Der iPod legte den Grundstein für den Weltkonzern Apple. Nun hat das Unternehmen die Produktion des Urmodells komplett eingestellt. Das hat laut Firmenchef Tim Cook ganz einfache Gründe.
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DüsseldorfWenn man die Geschichte erzählen will, wie Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufstieg, müsste man mit einem Kästchen in der Größe einer Zigarettenschachtel anfangen. Im Oktober 2001 zog der damalige Apple-Chef Steve Jobs den ersten iPod aus seiner Hosentasche. Die ganze Musiksammlung immer dabei, so lautete das Versprechen, das bald die Käufer begeisterte und dem angeschlagenen Unternehmen ein Comeback ermöglichte.

13 Jahre später braucht Apple das Gerät nicht mehr. Der iPod Classic, wie das Modell mit dem markanten Rädchen inzwischen genannt wird, ist seit kurzem nicht mehr im Angebot (die anderen Versionen gibt es weiterhin). „Wir konnten die Teile nicht mehr bekommen, nirgendwo auf der Erde“, erklärte Konzernchef Tim Cook jetzt auf einer Konferenz. Der Aufwand, sie zu ersetzen, wäre sehr groß gewesen, so der Nachfolger von Steve Jobs. „Ich hatte den Eindruck, dass es vernünftige Alternativen gab.“

Die Präsentation des ersten iPod wenige Tage nach den Terroranschlägen des 11. September fand in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Das Potenzial entfaltete sich auch erst mit den Jahren. Zum einen entwickelte Apple das Gerät weiter, zum anderen passte der Hersteller die Verwaltungssoftware iTunes auch für Windows-Computer an – plötzlich sah man immer mehr Menschen mit den markanten weißen Kopfhörern.

Der entscheidende Schritt war aber die Eröffnung des iTunes Store im Jahr 2003: Die Nutzer, die vorher über Portale wie Napster und Kazaa illegal Musik aus dem Netz saugten, konnten dort legal zum Preis von einem Euro einzelne Songs herunterladen. Jobs hatte den kriselnden Musikkonzernen diesen Lizenzdeal abgerungen. Apple förderte so die Bereitschaft, für digitalisierte Inhalte Geld auszugeben.

Der iPod veränderte auch Apple. Der Konzern verkaufte nicht nur zahlreiche MP3-Player – im erfolgreichsten Jahr 2008 fast 55 Millionen Stück –, sondern wurde auch zum größten Musikhändler der Welt. Und die wachsenden Einnahmen verschafften dem Elektronikhersteller Luft, neue Geräte zu entwickeln. 2007 zog Steve Jobs das iPhone aus der Tasche, 2010 präsentierte er das iPad. Heute ist der iTunes Store ein riesiges Kaufhaus für digitale Musik, Filme und Apps, das dem Konzern im vergangenen Quartal einen Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar eingebracht hat.

Doch so wie der iPod den CD-Player überflüssig machte, macht jetzt das Smartphone den iPod überflüssig: Die kleinen Alleskönner spielen natürlich auch Musik ab. Der MP3-Player hat daher seine besten Zeiten hinter sich, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 setzte Apple nur noch 14 Millionen Stück ab. Und auch der Verkauf von Musik schwächelt beim iKonzern: Der Umsatz sei im laufenden Jahr um 13 bis 14 Prozent gefallen, will das „Wall Street Journal“ erfahren haben. Online-Dienste wie Spotify machen es überflüssig, die Lieblingssongs zu kaufen und bei sich zu haben.

Die Alternative zum iPod ist daher ein Smartphone mit Internetverbindung und einem Abo. Auch hier will Apple mitmischen: Der Konzern übernahm im Mai Beats Electronics, das nicht nur Kopfhörer herstellt, sondern auch einen Streaming-Dienst für Musik hat. Dieser soll Medienberichten zufolge in iTunes integriert werden – und ist daher so etwas wie der Erbe des iPod.

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