Billiges Betriebssystem
„Ubuntu“ als Windows-Ersatz

Neue Computer, egal ob Notebook oder Desktop, wurden bislang standartisiert mit einer Version des Betriebsprogramms Windows geliefert. Software auf Basis des freien Linux-Codes waren meist etwas für Tüftler. Nun bietet Dell seine PCs wahlweise mit dem Linux-System "Ubuntu" an - höchste Zeit, dem Billig-Betriesbssystem auf den Zahn zu fühlen. Ein Praxistest.

DÜSSELDORF. Kostenbewußte Käufer können sich in Zukunft statt Windows Vista auch ab Werk das freie Linux-Betriebssystem "Ubuntu" auf ihrem Dell-PC liefern lassen. Diese Ankündigung ließ PC-Nutzer weltweit aufhorchen. Was sehr verlockend klingt, hält für unerfahrene Nutzer aber so manche Stolperfalle bereit. Ein Praxistest mit dem alten PC aus der heimischen Rumpelkammer schafft hier Klarheit, bevor man vielleicht auf das falsche Pferd setzt.

Im Handelsblatt-Test musste ein zwei Jahre alter Dell-Desktop-PC mit einfacher Onboard-Grafik, 512 MB Hauptspeicher und einem durchschnittlich flotten Intel Pentium 4 Prozessor herhalten. Installiert wurde die Version Ubuntu 7.04 aus dem Internet. Das System wird als sogenannte "ISO-Datei" geliefert. Wichtig: CD-Brennprogrammen wie Nero haben spezielle Menüpunkte, um ISO-Dateien richtig auf CD zu bannen. Wird das nicht beachtet, funktioniert die Installations-CD hinterher schlicht nicht.

Nach dem Einschalten fährt Ubuntu als temporäre Installation hoch, ohne Windows anzutasten. Wer also nach ein paar Minuten Spielerei schon weiß, dass es nichts für ihn ist, schaltet den Rechner einfach wieder aus und das war?s. Probieren kostet in diesem Fall wirklich nichts. Ubuntu kann aber auch zusätzlich zu Windows oder als Ersatz fest installiert werden. Dann wird die Festplatte gelöscht und überschrieben. Wir wählten Letzteres, nachdem gesichert war, dass sich keine wichtigen Daten mehr auf dem Rechner befinden. Nach rund 30 Minuten war die Installation erledigt und das System mit der optisch ansprechenden "Gnome"-Desktop-Oberfläche einsatzbereit. Danach sollte als erstes der passende Treiber für die jeweilige Grafikkarte nachinstalliert werden. Gnome liegt in der Bedienung irgendwo zwischen Mac OS und Windows. Die Eingewöhnung geht, vor allem für Windows-Nutzer, recht flott von statten. Das mitgelieferte "Open-Office 2.0" ist ein sehr guter Ersatz für Microsofts Office-Paket. Der E-Mail-Client "Evolution" bietet echtes Outlook-Feeling und war in weniger als fünf Minuten für den POP-3-Abruf eines Web.de-Kontos eingerichtet. Standard-Webbrowser ist der auch auf Windows beliebte "Firefox 2.0".

Die Arbeitsgeschwindigkeit des Testsystems (das als Windows-Vista-Maschine kaum eine Zukunft hat) war überzeugend. Unter Linux hat der Oldie ein zweites Leben vor sich.

Insgesamt ist Ubuntu schon in der Originalversion sehr umfangreich ausgestattet bis hin zur Fotobearbeitung und einfachen Spielen wie "Solitair". Die Probleme für Neulinge beginnen erst, wenn zusätzliche Software installieren werden soll. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Qualität der freien Open-Source-Software im Netz enorm schwankt. Alte und gereifte Projekte wie Open Office haben mittlerweile eine bemerkenswerte Stabilität und professionelle Features erreicht. Andere, vor allem junge Projekte, können noch massive Fehler aufweisen. Die Auswahl muss der Nutzer alleine treffen. Support gibt es oft nur in Internetforen oder gar nicht. Aber ein Fehlgriff kostet meist nur Zeit und ein paar Nerven. Im schlimmsten Fall wird die Software-Zitrone einfach wieder deinstalliert.

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