Das neue iPhone
Mit Zusatzsoftware zum Tausendsassa

Mit dem neuen iPhone geht „App Store“, ein Online-Shop für iPhone-Software, weltweit an den Start. Er alleine übernimmt den Verkauf von iPhone-Software. Wird „App Store“ der iTunes der Softwareindustrie?

DÜSSELDORF. Der Musikshop iTunes hat gerade das fünfmilliardenste Musikstück verkauft, die Online-Konkurrenz quasi pulverisiert und ist der Alptraum der Musikproduzenten. Sie fürchten ein Monopol, sind dem Marktführer mit seinem Musikplayer iPod – nur er arbeitet nahtlos mit iTunes zusammen – aber mittlerweile ausgeliefert. Das droht nun auch Softwareindustrie und -handel.

Der Gravis-Shop in Düsseldorf: Die Regale sind gut gefüllt und die Verkäufer geschult. Archibald Horlitz, Gründer und Geschäftsführer von Gravis, Deutschlands größtem Apple-Händler, wittert das große Geschäft, wenn am 11. Juli der Verkauf des iPhone 3 G mit UMTS startet. „Wir rechnen mit einer Verdreifachung der iPhone-Verkäufe gegenüber dem Vogängermodell im gleichen Zeitraum“, ist sich Horlitz sicher.

Von Ende 2007 bis Mitte 2008 wurden geschätzte 200 000 Stück in Deutschland verkauft, davon bis zu 80 000 „Grauimporte“. Also rechnet Horlitz jetzt mit bundesweit 600.000 iPhone 3 G bis Jahresende. Und er will mehr als 60.000 davon verkaufen. Apples Mobilfunkpartner T-Mobile hält sich bedeckt. „Wir machen keine Aussagen zu Verkaufserwartungen“, so ein Sprecher auf Anfrage.

Horlitz’ Optimismus gründet sich auf das neue Segment der Geschäftskunden, weil das iPhone 3 G dank neuer E-Mail- und Sicherheitstechnik sowie nachladbarer Software in Unternehmensnetzen eingesetzt werden kann. Die Gravis-Tochter HSD betreut Firmen bei Apple-Computern und Software und hofft nun auf iPhone-Orders. Seit das Verlagshaus Springer den Umstieg auf Apple-Hardware angekündigt hat, steigt die Euphorie: „Wenn das wahr wird, ist das der Dammbruch“, so Horlitz. HSD betreut schon Springer in Berlin als Kunden. „Bei solchen Kunden reden wir von tausenden Geräten auf einmal.“ Springer wäre nach Google zweitgrößter Apple-Kunde weltweit.

Doch selbst wenn Gravis bei iPhones zum Zuge käme, bliebe der Händler bei der Software – anders als bei Computern – außen vor. „Das Vertriebsmodell über einen zentralen Onlineshop macht bei typischen Preisen von zehn Euro für diese Software Sinn“, räumt er diplomatisch ein, und fügt hinzu: „Ich sehe kein Problem, wenn dieser Vertriebsweg auf das iPhone beschränkt bleibt.“ Ihm bleibt dann die Mac-Software.

Das kann Dirk Lebzin, Deutschlandchef der Telekom-Tochter Softwareload.de, so nicht unterschreiben. Aber er glaubt, dass es der Markt regeln wird: „Wir gehen nicht davon aus, dass Apple alleiniger Distributor von iPhone-Anwendungen bleiben wird. Unsere Erfahrung zeigt, dass Publisher neben dem eigenen Download-Vertriebskanal stets auch andere Distributionswege suchen.“ Softwareload hat gerade einen eigenen Shop für mobile Software gestartet und 12 000 Titel online – aber am 11. Juli keinen für das iPhone.

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