Femtocells
Mini-Sender lotsen Handys ins Netz

Femtocells sollen die Probleme des mobilen Internets auf einen Schlag lösen. Als erster deutscher Mobilfunkbetreiber hat T-Mobile nun einen Pilotversuch mit den kleinen Basisstationen für zuhause gestartet. Der Rest der Branche schaut erstmal noch zögernd zu.

KÖLN. In der schönen neuen Mobilfunkwelt schauen wir Handy-TV, rufen die Wettervorhersage ab, verschicken mit dem Smartphone E-Mails und hören gleichzeitig Internetradio. Die Technik ist da – nur nutzt sie bislang kaum jemand. Zu teuer, zu schlechter Empfang, zu langsame Verbindungen: Da reicht den meisten Deutschen die Telefonfunktion. Um ihre Kunden endlich ins mobile Internet zu lotsen, hofft die Mobilfunkbranche nun auf eine neue Technik: Kleine Basisstationen für zuhause – sogenannte Femtocells – verschaffen Handys mit dem schnellen Mobilfunkstandard UMTS einen Hochgeschwindigkeitszugang zum weltweiten Netz.

Die Boxen sollen die Probleme des mobilen Internets auf einen Schlag lösen: In Gebäuden gibt es mit ihnen keine Empfangsprobleme mehr, die Verbraucher könnten über günstige Internettarife telefonieren und schnell große Mengen an Daten aus dem Web herunterladen. Als erster deutscher Mobilfunkbetreiber hat T-Mobile nun einen Pilotversuch mit Femtocells gestartet. Bis zum Jahresende erprobt man die Technik in mehreren hundert Haushalten in der Region Köln-Bonn.

Den Mini-Mobilfunkstationen könnte schon im nächsten Jahr der Durchbruch gelingen – so zumindest das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsunternehmens ABI Research. 40 Prozent aller europäischen Mobilfunk- und Internetnutzer wollen demnach in den nächsten zwölf Monaten Femtocell-Dienste in Anspruch nehmen. „Unsere Studie zeigt, dass vor allem die Funktionen und Kostenvorteile als schlagkräftige Argumente für die Femtocell-Technologie angesehen werden“, sagt Joe Cozzolino, Geschäftsführer des Telekommunikationskonzerns Motorola, der die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte.

Die Hersteller der Boxen stehen in den Startlöchern: Netgear, Motorola, IP.Access und Ericsson haben längst marktfähige Geräte entwickelt, die sie auf der Handy-Messe „Mobile World Congress“ im Barcelona im Februar präsentierten. Ein führender Produzent ist Ubiquisys, von dem auch die Geräte im deutschen Feldversuch stammen. 2007 hatte sich Google bereits mit 25 Mill. Dollar am britischen Unternehmen beteiligt, im März stieg T-Mobile ein.

Eine große Hürde für die Massenfertigung von Femtocells fiel im Juni, als sich die führenden Hersteller auf eine einheitliche Architektur einigen konnten. Das Standardisierungsgremium 3GPP soll nun bis zum Jahresende entsprechende Vorgaben erarbeiten. Die Femtocell-Technik bringt das einen großen Schritt nach vorn, denn nur mit einem gemeinsamen Standard lassen sich die Kosten für die Geräte weiter reduzieren. Außerdem kommt die Branche damit dem angestrebten „Plug-and-Play“-Prinzip näher: Der Kunde, der die Box vom Mobilfunk- oder Internetanbieter erhält, soll sie einfach mit seinen Internetanschluss verbinden und darüber sofort per Handy ins Web gelangen können. Das Festnetz-Telefon wird quasi überflüssig.

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