Google Nest
Ein fast berauschendes Gefühl von Kontrolle

Normalerweise lehnt der Autor die Videoüberwachung kategorisch ab – für einen Selbsttest begab er sich dann aber doch unter die allsehenden Augen des Smart-Home-Anbieters Nest. Die Geschichte einer Verwandlung.
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DüsseldorfZuerst ein Geständnis: Es gibt wenige Bücher, die mich so nachhaltig geprägt haben wie George Orwells „1984“: Ich las es vor vielen Jahren im Rahmen des Englischunterrichts. Manch einer geriet ja über das Schicksal von Goethes Werther in emotionale Zustände, bei mir war es das von Winston Smith, dem Hauptprotagonisten von Orwells Dystopie.

Das hat weitreichende Folgen: Wann immer ich von Videoüberwachung höre, manifestiert sich tief in mir das Wort „Televisor“ – also die Dinger, mit denen das diktatorische Regime in Orwells Roman seine Untertanen ausspioniert. Was mich dazu bewegt hat, freudestrahlend die Hand zu heben, als der Kollege einen Kandidaten suchte, um die Geräte der Marke Nest zu testen? Das ist mir bis heute nicht ganz klar. Trauma-Bewältigung? Arbeitseifer? Neugier?

Was auch immer mich angetrieben hat: Da sitze ich nun mit einem Stapel von Kartons, die eher aussehen, als käme in ihnen das neue iPhone und nicht eine smarte Sicherheitslösung für das eigene Zuhause. Enthalten sind ein Rauchmelder, eine Überwachungskamera für den Innenbereich sowie eine für außen.

Auch die Geräte sehen nicht aus wie unfreundliche Hilfsmittel eines allsehenden Großen Bruders, sondern viel eher wie durchdesignte Gadgets eines überteuerten Inneneinrichters. Billig sind die Produkte auch wahrlich nicht: Den Rauchmelder gibt es ab knapp 120 Euro, die Kamera für den Innenraum ab knapp 170 Euro.

Die Installation ist denkbar einfach: Ich lade mir die Nest-App runter und speise die Geräte ein. Das funktioniert über das WLAN. In der App erscheinen nun all meine kleinen Werkzeuge, die ich zur Überwachung meines Zuhauses brauche. Ich bemerke ein fast euphorisierendes Gefühl von Kontrolle. Das verdrängt dann auch irgendwann die Unsicherheit, in der Nähe der Kamera leiser sprechen zu müssen oder nicht nur im Handtuch bekleidet nach dem Handy zu suchen.

Der häusliche Frieden ist erst einmal gestört

Über die App werden alle Geräte miteinander verbunden. Der häusliche Frieden ist zu Beginn des Tests allerdings erst einmal gestört: Der andere Mensch in meiner Wohnung findet die Überwachung nämlich gar nicht so witzig. Ein paar Argumentationsschleifen später einigen wir uns darauf, dass die Kamera im Arbeitszimmer stehen darf. Das Gerät für außen bleibt sowieso im Karton. Dass ich manchmal sonntags Wäsche wasche, reicht als Zumutung für die Nachbarn.

Die Kamera überwacht nun einen erstaunlich großen Ausschnitt des Zimmers – am Anfang erschrecke ich mich, wenn ich mich selbst darauf erkenne. Über die App bekomme ich nämlich immer praktische Mitschnitte geliefert, wenn sich etwas tut. Sobald ich die Wohnung verlasse, stelle ich in den entsprechenden Modus um und die Kamera passt auf.

Das führt manchmal zu der absurden Situation, dass ich mich erschrecke, wenn sie meldet: „Die Kamera Arbeitszimmer hat Aktivitäten erkannt“. Dann ist meist die Katze unterwegs zu ihrem Aussichtspunkt.

Mitunter erscheint auch die Warnmeldung: „Die Kamera Arbeitszimmer hat eine Person erkannt“. Manchmal bin das ich, manchmal ist das auch der andere Mensch, der ein Ladekabel für irgendein elektronisches Gerät sucht. Die Meldungen landen bequem als Push-Mitteilungen auf meinem Handy. So bin ich immer im Bilde, was da so in den heimischen vier Wänden vor sich geht. Ich bemerke ein fast berauschendes Gefühl von Kontrolle.

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Ein fast berauschendes Gefühl von Kontrolle

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Manchmal beschleicht mich ein ungutes Gefühl

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