Leit-Artikel Lenovo Miix 10
Ein nicht eingelöstes Versprechen

Das Lenovo Miix 10 soll Tablet und Notebook in einem sein. Das Gerät ist günstiger als manch direkter Konkurrent, wird inklusive Tastatur ausgeliefert – doch unser Test zeigt: Es hat Konstruktionsfehler.
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DüsseldorfIn der Redaktion haben wir kurz diskutiert: Darf das Wort „fimpschich“ in einem Text auftauchen? Die einen meinten, den Ausdruck kenne kein Mensch. Die anderen sagten, zumindest im Rheinland verstünde es jeder. Wie auch immer: „Fimpschich“ ist das perfekte Wort, um den ersten Eindruck zu beschreiben, den das Lenovo Miix 10 hinterlässt, ein Tablet-Computer, der mit einer Anstecktastatur zum Notebook werden soll. Für die Nicht-Rheinländer: Der Begriff bedeutet so viel wie „schwach gebaut“, „wackelig“.

Die Einschätzung erklärt sich wohl dadurch, dass ich in der gleichen Geräteklasse zuletzt ein Microsoft Surface Pro getestet hatte. Das konnte mich zwar nicht restlos begeistern, aber es war deutlich besser verarbeitet als das Lenovo-Gerät. Denn die Kante zwischen Display und Rückseite ist beim Miix 10 spürbar, der Deckel des SD-Karten-Einschubs wirkt extrem zerbrechlich, der Lautstärkeknopf ist billigstes Plastik.

Allerdings ist der direkte Vergleich ein wenig unfair, das gebe ich zu. Schließlich kostet das Lenovo-Modell mit allem Drum und Dran nur 500 Euro. Das Microsoft-Gerät war zur Einführung inklusive einer (bei Lenovo direkt mitgelieferten) Tastatur doppelt so teuer.

Doch auch wenn man den Preisvorteil berücksichtigt, macht das Miix 10 wenig Spaß. Das Gerät in die Halterung des Schutzdeckels zu stecken, ist alles andere als selbsterklärend – eine Anleitung liegt daher bei. Das Einklipsen in die vorgesehen schwarzen Plastikhalterungen und eine stützende Kante hakelt. Was gut ist: Die eine Seite des Schutzdeckels ist gleichzeitig eine Tastatur. Auf ihr zu schreiben, gelingt aber nicht gerade leise.

Das Tablet ist zwar mit einer Vollversion von Windows 8 ausgestattet und damit für die Bedienung per Touch-Display ausgelegt. Doch begibt man sich in die klassische Windows-Welt, fehlt schnell ein Touchpad oder Trackball, um etwa Textstellen in Dokumenten oder Eingabezeilen im Internet-Browser schneller und gezielter ansteuern zu können als per Fingerdruck auf dem Bildschirm. Dabei bewirbt Lenovo das Miix als „eine erschwingliche Kombination aus Tablet und Notebook“.

Der Anschluss eines externen Geräts über den Micro-USB-Anschluss ist nicht sinnvoll möglich. Denn der ist an der unteren Gehäusekante angebracht ist – und diese ist verdeckt, wenn der Magnetschnapper das Gerät mit der Tastatur verbindet. Eine externe Festplatte kann so nur im reinen Tablet-Modus angestöpselt werden. Entweder Tastatur oder Zubehör.

Wie die Konkurrenz kann auch das Lenovo Miix 10 mit angedockter Tastatur eigentlich nur in einem Winkel aufgestellt werden. Doch durch den flexiblen Buchdeckelrücken passt es sich etwa besser an den Schoß an und kann daher gut auf der Couch genutzt werden.

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