Leit-Artikel Lytro-Kamera
Erst knipsen, dann scharf stellen

Die Vorstellung ist faszinierend: Mit der Lytro-Kamera erst das Foto machen und anschließend festlegen, was zu erkennen sein soll. Unser Test zeigt aber: Das erste Gerät mit dieser Technologie hat noch Kinderkrankheiten.
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DüsseldorfDas Startup Lytro hat eine fotografische Revolution angekündigt: Mit seiner neuen Kamera, so das Versprechen, könne man erst knipsen und dann scharf stellen – bislang zum Bedauern vieler Hobbyfotografen ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Klick auf den Eiffelturm im Hintergrund, und der Rest verschwimmt. Noch ein Klick und die Familie im Vordergrund rückt in den Fokus, während das Bauwerk unscharf wird. Das US-Unternehmen spricht von lebendigen Bildern.

Diesen Effekt ermöglicht die Lichtfeld-Technologie. Forscher arbeiten daran seit den 90er Jahren, der Informatiker und Lytro-Gründer Ren Ng von der Eliteuniversität Stanford hat sie massentauglich gemacht. In dieser Woche bringt seine Firma das erste Gerät für Amateure auch in Deutschland auf den Markt. Im Test von Handelsblatt Online zeigte die Kamera faszinierende Effekte, aber auch einige Schwächen.

Dass die Lytro anders ist, wird schon an der Form deutlich: Sie ist ein klobiger Quader. Das Aluminium-Gehäuse ist elf Zentimeter lang und misst vier mal vier Zentimeter im Querschnitt. Dieses Format ist der Lichtfeld-Technik geschuldet, hat aber einen großen Nachteil: In die Hosentasche passt dieser Klotz nur mit Schwierigkeiten. Das Design ist dezent bis minimalistisch gehalten. Vorn besteht das Gehäuse aus Aluminium, hinten sorgt ein Silikonmantel für Griffigkeit. Die wenigen Bedienelemente sind unauffällig angebracht: unten ein Knopf zum Ein- und Ausschalten, oben der Auslöser und ein Schieber für den Zoom.

Mehr braucht es auch nicht. Denn die Tüftler aus Kalifornien haben ein Verfahren zur Reife gebracht, mit dem man im Nachhinein festlegen kann, welcher Bildbereich scharf zu sehen ist – die Lichtfeld-Technologie. Sie erfasst alle optischen Informationen einer Szene durch viele kleine Linsen, darunter auch die Richtung der Lichtstrahlen und die Intensität der Farben.

Daraus kann die Software in einem aufwendigen Verfahren unterschiedliche Bilder errechnen – mal ist die Person im Vordergrund scharf zu sehen, mal das Denkmal im Hintergrund. Weil es bei diesem Verfahren nicht um Bildpunkte geht, bemisst Lytro die Kapazität des Sensors nicht in Megapixeln, sondern in Megaray. Elf Millionen Lichtstrahlen erfasst dieses Modell.

Erst fotografieren, dann scharf stellen, ganz ohne Wartezeit: All das klingt nach einer perfekten Kamera für Gelegenheitsknipser. Doch das erste Gerät des US-Startups Lytro hat einige Kinderkrankheiten.

Kommentare zu " Leit-Artikel Lytro-Kamera: Erst knipsen, dann scharf stellen"

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  • Welche Erfahrungen haben Sie denn mit dem Gerät gemacht? Was war gut, was weniger?

    Und: Dürfen wir ein Foto bei uns einbinden?

  • Habe die Kamera bereits 1Jahr im Einsatz. Totale Begeisterung!
    Https://pictures.Lytro.com/loehlifant

    Der Lötrograf

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