Marke braucht Image-Schub
UMTS macht Hutchison wenig Freude

Mit einer Werbeoffensive will das Mobilfunkunternehmen Hutchison 3G die Briten für die neue, flotte Handy-Datenwelt gewinnen. Der erste UMTS-Anbieter in Europa werde seine Marke „3“ mit Kampagnen im Fernsehen und in Zeitungen bekannter machen, sagte Firmensprecher Edward Booster von 3G UK.

LONDON/MAILAND. Einen Image-Schub kann die Marke dringend brauchen: Weder in England noch in Italien hat Hutchison mit UMTS einen gelungenen Start hinlegen können. Netzprobleme, Lieferengpässe und unausgereifte Technik machen dem Unternehmen zu schaffen.

Während die Werbekampagne die Nachfrage nach UMTS-Handys in England – dort ist Hutchison im Januar mit der neuen Technik gestartet – ankurbeln soll, ist es in Italien gar nicht nötig, das Interesse für UMTS zu wecken. Im handyverrückten Italien kommt „Tre“, wie die Marke auf Italienisch heißt, schon einen Monat nach dem Start mit der Lieferung und Aktivierung der Handys kaum hinterher. Erst jeder Vierte der 140 000 Interessenten hält bereits sein UMTS-Handy in den Händen. Außerdem kann „Tre“ maximal 1 000 Anschlüsse pro Tag aktivieren. „Wir haben einen derartigen Andrang nicht erwartet“, entschuldigt Geschäftsführer Vincenzo Novari die Wartezeiten.

Die Italiener sind so wild auf die „Video-Telefonini“, dass auch die vielen Kinderkrankheiten des neuen Systems die Nachfrage nicht einbrechen lassen. Dabei ist Telefonieren mit UMTS noch ein großes Abenteuer: Häufig sind andere Teilnehmer auch dann nicht erreichbar, wenn sie sich im Sendebereich der „Tre“-Antennen befinden. Und bei einem Wechsel vom UMTS- ins bisherige GSM-Netz bricht die Verbindung oft zusammen.

Auch wegen solcher Ausfälle verbringen die Nutzer mehr Zeit mit Anrufen bei der Beschwerde-Hotline, als mit dem Video-Telefonieren. 40 von 100 Protest-Anrufen können wegen überlasteter Leitungen nicht beantwortet werden. „Tre“ hat seinen Kunden für März und April erst einmal die Grundgebühr von jeweils 85 Euro erlassen, um die Bislang hat „3“ in Großbritannien und Italien rund 50 000 Kunden. Das ist vor allem mit Blick auf die Vorgabe aus Hongkong wenig: Bis Jahresende peile Hutchison die Zahl von zwei Millionen Nutzern in den beiden Ländern an, bestätigt der Londoner Unternehmenssprecher. Marktbeobachter halten es kaum noch für möglich, dass Hutchison diese Zahl erreicht. Immerhin musste der UMTS-Start allein für England mehrfach verschoben werden, anschließend bremsten Handy-Knappheit und hohe Tarife den erhofften Boom.

Unterdessen droht in Großbritannien auch noch ein Streit um die weitere Finanzierung des teuren Prestige- objekts. 3G UK fordert eine Mrd. £ (1,5 Mrd. Euro) von seinen drei Besitzern – neben Hutchison Whampoa sind das die niederländische KPN (15 %) und die japanische NTT Docomo (20 %). Bei den kleineren Anteilseignern rührt sich jedoch Widerstand. KPN hat erklärt, man werde kein Geld mehrschießen. „Wir haben die klare Zusage für die Milliarde Pfund“, heißt es dagegen bei 3G UK.

Um einen Hauskrach und weitere Verzögerungen zu vermeiden, müsse Hutchison wohl die beiden Partner rauskaufen, meinen Marktbeobachter. Denn Hutchison Whampoa will sein UMTS-Netz in Europa kräftig ausbauen. Rund 16 Mrd. $ hat der Konzern für den UMTS-Aufbau in dieser Region vorgesehen. Gestern startete Hutchison auch in Österreich. Deutschland gehört nicht dazu, dort fehlt die nötige Lizenz.

Unter einem Mangel leiden alle englischen UMTS-Pioniere: Mit 10 000 Kunden ist die „3“-Gemeinde auf der Insel eher klein. „Videoanrufe sind toll“, sagt Ben Wood, Analyst von Gartner in London, „aber man ist schnell gelangweilt, wenn man stets nur dieselben vier Leute anrufen kann.“

Quelle: Handelsblatt

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