Medienforum NRW in Köln
Die Medienplaner und der „Endverbraucher“

„Sogar die Endverbraucher wünschen es sich.“ Dieser Satz in der Diskussion um die Einführung des Handy-TV kam Hartmut Schauerte erstaunlich vor. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium saß auf dem Podium beim Medienforum NRW in Köln und diskutierte mit Vertretern von interessierter Seite.

dpa KÖLN. Top-Manager von Mobilfunkfirmen, Handy-Herstellern und aus der Marktforschung waren sich aus unterschiedlichsten Gründen einig: Das Handy-TV wird ein Erfolg. Dazu aber muss der „Endverbraucher“ die neuen Handys, die ab nächste Woche auf dem Markt sind, erst einmal kaufen - und das neue Mobil-TV auch extra bezahlen.

Der CDU-Politiker Schauerte formulierte sein Urteil über das Handy-TV, dessen Testlauf mit der Fußball-WM beginnt, etwas anders als sein Vorredner: „Es ist wirklich nicht nötig, aber die Menschen werden es haben wollen.“ Was in der Medienwelt nötig ist und was nicht, darüber wird derzeit ähnlich heftig gestritten wie sich diese Welt verändert. Unterdessen werden ständig neue Fakten geschaffen.

Nichts gilt mehr von den alten Grundwahrheiten, dass Fernsehsender das Programm machen und die Betreiber der Transportwege - Antenne, Kabel oder Satellit - keinen Einfluss auf das Angebot haben, aus dem der Zuschauer wählen kann. Im Gegenteil: Programmanbieter wie Premiere-Chef Georg Kofler und RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt beklagen, dass Kabelnetzbetreiber versuchen, mit eigenen Paketlösungen immer stärker das TV-Angebot zu bestimmen. Oder aber sie werden selbst Programmveranstalter und machen den TV-Sendern Konkurrenz, wie im Fall ihrer Neugründung Arena, die Premiere die Bundesliga-Rechte wegschnappte.

Im Kampf um den direkten Zugang zum Kunden wollen die Sender den Kabel- und Satellitenbetreibern nicht den Vortritt lassen. Denn - ob über Werbung, Abo-Gebühren oder kostenpflichtige Interaktion - das Geld muss letzten Endes vom Zuschauer kommen, vom „Endverbraucher“. Für Kofler stellt sich die Frage so: „Wer gestaltet die Kundenbeziehung? Wer sitzt im Mauthäuschen?“

So war man beim Satellitenbetreiber SES Astra nicht böse, als die Privatsender mit dem Wunsch kamen, ihre Digitalprogramme - und nur die wird es demnächst noch geben - verschlüsselt auszustrahlen. Für die Entschlüsselung zahlt der Kunde, der damit auch namentlich ein Adressat ist - doch nicht nur für den Sender, sondern auch für die Satellitenfirma, die für ihre „Infrastrukturleistung“ eine Monatsgebühr verlangt.

Über die digitalen Plattformen sollen die Zuschauer künftig nicht nur das bisher frei empfangbare Angebot empfangen können, sondern eine Vielzahl zusätzlicher Programme - nach eigenem Wunsch und jeweiligem Entgelt. Wie bislang bei Premiere gibt es etwa Pay-TV-Angebote von Kabel Deutschland und im Internet bei T-Online über die Plattform T-Home. Fernsehen nach dem Internet-Protokoll (Iptv) lässt interaktive Funktionen zu wie ein „video on demand“, bei dem Filme sofort abgerufen und wie beim DVD-Player vor- und zurückgespult werden können.

Besonders bei den ganz Jungen sei die Bereitschaft groß, sich auf neue Medienangebote einzulassen, hat eine IBM-Studie ergeben. Doch ausgerechnet diese Altersgruppe verfügt über das geringste Einkommen. Und schon die über 20-Jährigen konnten zum Handy-TV die „Sinnfrage“ nicht beantworten - wozu das eigentlich gut ist.

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