Smartphone
Das Pre: Palms letzter Schuss

Die Silicon-Valley-Legende Palm war gegenüber Apples iPhone und Googles G1 ins Hintertreffen geraten. Den Smartphone-Boom hatte das Unternehmen verpasst. Mit dem Verkaufsstart des Palm Pre an diesem Wochenende soll sich das ändern. Es ist vielleicht die letzte Chance, um aufzuholen.

SANTA MONICA. Üblicherweise öffnet der Sprint-Shop am Wilshire Blvd. Samstags um zehn Uhr. Aber heute ist der 6. Juni, der "P-Day". Erster Verkaufstag des Smartphones Palm Pre. Der heißeste Konkurrent des Apple iPhone, Hoffnungsträger für die Silicon-Valley-Legende Palm und den drittgrößten US-Mobilfunker Sprint, der Kunden an AT&T und T-Mobile verliert, an iPhone und Google-Androids G1. Deshalb ist schon seit acht Uhr geöffnet und vor dem Ladenlokal an der Ecke 7. Straße in Santa Monica hat sich eine kleine Schlange gebildet.

Bigan Arar hat die Wartenummer 36 und ist zufrieden. "Wer ein Ticket hat, bekommt auch ein Pre", sagt der Mittvierziger mit dem schütteren Haar zufrieden, "Das haben die versprochen." Er ist treuer Palm-Fan von Anfang an und hat jetzt ein Palm Treo. "Die Kinder haben alle iPhones", lacht er, "Ich nicht!" Der Pre hat nun endlich alles, damit Palm-Fan Arar auch wieder mitreden kann. Einen großen Touchscreen, viel Speicher, W-Lan, GPS-Sensor, Kamera und ausgefeilte Internetfunktionen dank eines komplett neuen Betriebssystems. Dazu kommt eine ausziehbare Volltastatur, womit das Pre das Beste aus Apple und Rims Blackberry vereint. Die beiden Hersteller mit den höchsten Wachstumsraten im Smartphonemarkt.

Abtin Shakouri ist iPhone-Fan, aber auch zufriedener Sprint-Kunde. Die Tarife sind viel günstiger, sagt er. "Für 69,99 Dollar monatlich bekomme ich einen Plan mit allem drin, da muss ich bei T-Mobile schon 99 Dollar zahlen", macht er die Rechnung auf. Mit 199 Dollar nach Rabatt sei das Gerät zudem nicht teurer als das iPhone und außerdem von den Funktionen fast identisch, bis hin zum legendären Multitouch, bei dem durch einfaches Auseinanderziehen zweier Finger auf dem Schirm Fotos vergrößert oder verkleinert werden können. Das Gehäuse ist elegant und wertig. Er hat die Ticket-Nummer 40 und hatte schon Angst leer auszugehen. Er war zuerst bei Wal Mart, aber "die haben nur zwei Telefone bekommen", schimpft er. Dann kam er schnell hierhin.

Die Knappheit kann Palm gefährlich werden, das Pre ist nach Meinung aller Analysten Palms letzte Chance, wieder auzuholen. Die Marktbeobachter von iSupply gehen davon aus, dass im laufenden Jahr über eine Mio. Pre in den USA abzusetzen wären. Wenn die 3G-Version für Europa fertig wird, könnten es sogar über 1,3 Mio. Stück werden. Die Frage ist, ob die finanzielle Luft dafür reicht. Die guten Zeiten sind lange vorbei. Nach der Gründung 1992 wurde der Palm Pilot das Gadget der Vor-New-Economy-Zeit schlechthin und 1997 wurde Palm auf der Höhe des Booms von 3Com aufgekauft. Dann ging das Gespür für die Märkte verloren, der Smartphone-Boom wurde grandios verpasst.

Seite 1:

Das Pre: Palms letzter Schuss

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%